![]() |
|
![]() |
|
|
|
|
|
Arabistik |
|
|
|
|
|
|
|
Anna Akasoy:
Neuere Erkenntnisse zu den arabischen Vorlagen der lateinischen Falknereiliteratur1240/41 redigierte Kaiser Friedrich II. während der Belagerung der oberitalienischen Stadt Faenza die lateinische Fassung eines Falknereitraktats, das sein Hofphilosoph, Theodor von Antiochien, aus dem Arabischen übersetzt hatte. Wie auch an den orientalischen Höfen stand die Motivation für diese wissenschaftliche Beschäftigung in engem Zusammenhang mit der Funktion der Beizvögel als Statussymbol und der Jagd als höfischer Tradition, die von den Herrschern selbst gepflegt wurde. Das Interesse der Textbearbeiter und ihrer Auftraggeber hatte schon bei der Entstehung dieser Texttradition vorrangig der Medizin gegolten, da die Gesundheit der kostenintensiven Tiere geschont werden mußte. Weitere Kapitel beschäftigen sich in diesem Texttypus mit anderen Jagdtieren wie Hunden und Geparden, mit der Pflege und Abrichtung der Jagdtiere, sowie mit zoologischen und religiös -juristischen Fragen.
Weder ist die unmittelbare Vorlage dieses lateinischen 'Moamin' erhalten, noch liegen klare Hinweise darüber vor, inwieweit Theodor und auch der Kaiser persönlich in den Text eingegriffen haben. Gerade Letzterer zeichnete sich mit seinem eigenen Falkenbuch De arte venandi cum avibus als neuer Typus eines literaten Herrschers aus, der den Umgang mit Beizvögeln zum Paradigma wissenschaftlicher Welterschließung erhob. Die unsystematische Ansammlung von Informationen durch ältere Quellen kritisierte der Staufer als 'unwissenschaftlich'. Vielleicht war es also auch erst die kompilatorische Tätigkeit von Übersetzer und Korrektor, die den Text des Moamin in dieser Form hat entstehen lassen. Weite Teile der arabischen Vorlage bzw. Vorlagen lassen sich zumindest rekonstruieren, da sie die ältesten arabischen Quellen der Falknereiliteratur rezipieren. Im 8. / 9. Jahrhundert am Kalifenhof in Bagdad entstanden, stellen sie selbst Kompilationen sehr viel älterer persischer, griechischer, eventuell auch indischer und türkischer Quellen dar. Neben dem in zwei Kurzversionen und mehreren Handschriften erhaltenen Adham al-Gitrif-Werk konnte als Vorlage vor allem ein für den Kalifen al-Mutawakkil (847-861) verfaßtes Falknereitraktat identifiziert werden, das als "Kitab al-Mutawakkili" nur in Zitaten in einer jüngeren Kompilation mit dem Titel "Kitab a~- $aid" erhalten ist.
In diesem Vortrag soll unter besonderer Berücksichtigung der Ergebnisse der neueren Forschung ein Einblick in die Geschichte dieser Texttradition gegeben werden. Von speziellem Interesse wird dabei eine Hypothese sein, die einen neuen Weg zeichnet, auf dem die arabischen Textvorlagen den Stauferkaiser erreicht haben könnten.Stand 21. Februar 2001