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Arabistik |
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Muhammad Abu al Fadl Badran:
Der neue Faust von Ali Ahmad Bakathir: Ein Versuch, Faust zu mystifizierenSeit den ersten arabischen Übersetzungen des Goethischen Fausts (Salih Hamid 1911, Muhammad Awad Muhammad 1929) hat der Faust-Stoff immer wieder grosses Interesse bei arabischen Schriftstellern und beim Leserpublikum gefunden. Zahlreiche Werke wurden verfasst, in denen direkt auf das Faust-Motiv zurückgegriffen wurde. Sie handeln vom Verhältnis zwischen dem Menschen und dem Teufel, oder sie projizieren zeitgenössische Probleme in die Faustsage hinein. Muhammad Farid Abu Hadid (1893-1967) schrieb sein Theaterstück "Abd ash-shaitan" (Der Knecht des Teufels 1945, geschrieben ca. 1929) um auf die Schlechtigkeit der Kolonialherrschaft aufmerksam zu machen; Tawfiq al-Hakim wies mit seinem Einakter "Nahwa hayatin afdal" (Ein besseres Leben 1955) auf die Nachteile der Revolution von 1952. Zu nennen sind ausserdem Sayyid Ibrahim: "Ash-shaitan wa al waaya al sab'a" (Der Teufel und die sieben Gebote") 1980 und Muhammad Inanis "Faust" 1998.
In seiner kurzen prägnanten Forschungsarbeit über Faust in der arabischen Literatur (1989) untersuchte Kamal Radwan den Einfluss des Faust-Stoffes auf die moderne arabische Erzähl- und Theaterliteratur. Seine Arbeit war Grundlage für die folgenden Untersuchungen des Themas. Ala' ad-Din Hilmi widmete in seiner 1986 auf Deutsch erschienenen Arbeit Die Rezeption Goethes in Ägypten dem Faust-Thema ein Kapitel, in dem er hauptsächlich die arabischen Übersetzungen des Goethischen Theaterstückes nachgeht und kommentiert. Seine Arbeit ist für die Faust- und Goethe-Rezeption in der arabischen Welt unverzichtbar.
Einer der Autoren, die sich mit dem Fauststoff auseinandergesetzt haben, ist Ali Ahmad Bakathir (1910-1969), der zu den bedeutendsten und produktivsten arabischen Dramatikern dieses Jahrhunderts zählt. Sein bisher noch nie veröffentlichtes Spätwerk Der neue Faust hat Bakathir ungefähr 1967, zwei Jahre vor seinem Tod, geschrieben. Das in Schreibmaschinenschrift vorliegende Manuskript - vermutlich vom Autor selbst angefertigt - wurde mir von Prof. Wild, Inhaber des Lehrstuhls für Islamwissenschaft und Arabistik an der Universität Bonn, zur Verfügung gestellt. Das Manuskript ging vor Jahren von Khalil Shaikh in seinem Besitz über, als Shaikh es nach einem Aufenthalt in Ägypten mitbrachte. Shaikh schrieb damals seine Promotion über den Teufel in der modernen arabischen Literatur. Eines der Kapitel behandelt das Thema "Faust in der arabischen Literatur".
In diesem Vortrag will ich mich darauf beschränken, bestehende Ähnlichkeiten und Unterschiede zwischen Bakathirs und Goethes Faust sowie andere Faust-Verarbeitungen in der arabischen Literatur herauszuarbeiten. Ferner versuche ich folgende Fragen zu beantworten:
Weshalb lehnt sich Bakathir - der von der Rashid Rida-Bewegung in Kairo beeinflusst war, bereits 1930 eine salafitische Zeitschrift herausgegeben hatte und von den Muslimbrüdern heute gern als den "Ihrigen" betrachtet wird - so stark an die Mystik, wo die Mystik mit ihrem individuellen islamischen Wertsystem den Fundamentalisten eher zuwider ist? Bakathir macht seinen mit dem Teufel im Pakt stehenden Helden Faust regelrecht zum Waliy, zum Freund Gottes und Heiligen, Vollzieher von Wundertaten, dem das Licht Gottes erscheint.
Warum wurde dieses Stück nicht veröffentlicht, obwohl seit der vermuteten Niederschreibung bis heute über 30 Jahren vergangen sind? Was hat Bakathir veranlaßt, seinen Faust mit so vielen philosophischen Debatten zu spicken? Wollte er noch kurz vor seinem Tod etwas Wichtiges aussagen? Inwiefern unterscheidet sich Faust al-Gadid von seinen anderen Werken? Inwiefern ist das Stück zeitgenössisch? Welche Bedeutung hat das Stück unter Bakathirs Werken und in der arabischen Literatur insgesamt? Welche Bedeutung hat es für die Gegenwart? Inwiefern ist es wichtig für die Neubewertung von Bakathirs anderen Werken?Stand 11. Februar 2001