![]() |
|
![]() |
|
|
|
|
|
Christlicher Orient und Byzanz |
|
|
|
|
|
|
|
Wilhelm Baum:
Die sogenannten Thomas-Christen und der Seeweg nach IndienWar Vasco da Gama der Entdecker des Seewegs nach Indien? Aus arabischen Quellen ist bekannt, dass die Fahrten von Ägypten über das Rote Meer nach Indien und nach China gewissermaßen zur Routine arabischer Kaufleute gehörten. In Indien selbst sind kaum historiographische Texte über den Kontakt mit dem Westen erhalten. Aus byzantinischen Texten wie Palladius oder Kosmos Indikopleustes wie auch aus den Schriften Manis wissen wir jedoch, dass auch nach dem Niedergang der regelmäßigen Fahrten von Ägypten an die Malabarküste in der römischen Kaiserzeit der Kontakt mit dem Nahen Osten nicht abriss. Spätestens seit der Zeit des neupersischen Reiches der Sassaniden unterstanden die Christengemeinden in Indien dem Katholikos der "Apostolischen Kirche des Ostens", die früher fälschlich als "Nestorianer" bezeichnet wurden. Anlässlich von Metropolitansynoden, der Wahl des Katholikos usw. war von der Kirchenstruktur her die Notwendigkeit von Kontakten mit der Mutterkirche gegeben, von der auch Handschriften, theologische Texte usw. geschickt wurden. Aus der sogen. "Chronik von Seert" wie auch aus den Schriften des Armeniers Abu Salih lässt sich ablesen, wie im Mittelalter Wallfahrer bis zum Thomas-Heiligtum von Mylapore bei Madras kamen. Die Berichte der China-Reisenden Marco Polo, Johannes von Montecorvino, Odorico von Pordenone, Johannes von Marignola und Nicolo die Conti vermitteln einen Eindruck über den Kontakt der Christen in Indien und Ceylon mit ihrer Mutterkirche in Ktesiphon/Bagdad vor der Ankunft der Portugiesen, die Indien mit der Hilfe eines arabischen Lotsen erreichten.
Stand 11. Februar 2001