DMG- XXVIII. Deutscher Orientalistentag, Bamberg, 26.-30.3.2001
 
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Abstracts / Zusammenfassungen der Vorträge
Christlicher Orient und Byzanz

Bogdan Burtea:
Farbsymbolik zwischen Legende und moderner Geschichtsschreibung

Es ist eine bekannte Tatsache, daß die Völkerwanderungen, sei es die germanische, die slawische oder etwa die der altaischen Völker, die Geschichte Südosteuropas stark geprägt haben. Letztgenannte wird in der Historiographie meist als eine Spur des Grauens rezipiert, während der Beitrag dieser Völker zu den Staatenbildungen dieses Teils unseres Kontinents oft nicht genügend gewürdigt wird. Ein Grund dafür ist die Dürftigkeit der Quellen. Dank ihrer Orientierungs- und Farbsymbolik haben diese Völker ihre Spuren in der osteuropäischen Geschichte hinterlassen.
Die Türkvölker (Bulgaren, Petschenegen, Kumanen, u.a.), die im Frühmittelalter nach Ost- und Südeuropa eingewandert sind, haben lange nach ihrer Seßhaftwerdung und Christianisierung ihre Farbsymbolik, insbesondere die Polarisierung schwarz-weiß, beibehalten. Viele Völkerfarbbezeichnungen im Donauraum sind auf sie zurückzuführen, auch wenn die ursprüngliche Bedeutung im Laufe der Zeit nicht mehr ganz transparent war.
Eine geheimnisumwobene Gestalt des rumänischen Mittelalters ist der legendäre Gründer des Fürstentums der Walachei Negru-Voda (wörtl. "der schwarze Herzog"). Er wird insbesondere in der rumänischen Volksliteratur nicht nur als Staatsgründer der Walachei, sondern auch als Stifter zahlreicher Klöster und Kirchen beschrieben. Im 17. Jh. wurde die legendäre Gestalt des Negru-Voda durch die Chronisten mit einem Woiwoden der Bassarab-Dynastie verknüpft und seither immer wieder bis in die Geschichtsschreibung des 20. Jh. hinein als historisch gesicherte Persönlichkeit dargestellt. Die Versuche, diesen mysteriösen Fürsten zu identifizieren, reißen seitdem nicht mehr ab. Viele Historiker erklären den geheimnisvollen Namen als eine Art Spitznamen für mehrere historische Gestalten, die gegen die Mongolen im 14. Jh. gekämpft hätten. So werden neben Bassarab (1310-1352), dem historisch gesicherten Gründer des Fürstentums der Walachei, sowohl sein Vater Tochomer als auch sein Sohn Alexandru Nicolae (1352-1364) und dessen Nachkommen Vladislav (1364-1376) und Radu (1376-1384) in Erwägung gezogen.
Ausgehend von der Tatsache, daß die Namen Bassarab und Tochomer wahrscheinlich kumanischen Ursprungs sind, versucht der Beitrag unter Berücksichtigung der Farbsymbolik der Türkvölker Negru-Voda als die Wiedergabe einer türkischen Titulatur (etwa Qaraqagan, bzw. -chan) zu interpretieren.

Stand 29. Januar 2001