DMG- XXVIII. Deutscher Orientalistentag, Bamberg, 26.-30.3.2001
 
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Abstracts / Zusammenfassungen der Vorträge
Christlicher Orient und Byzanz

Christian Lange:
War Severos von Antiocheia ein Monophysit? Gedanken zur sprachlichen Einordnung nach-chalkedonischer Christologie

Die Kirchengeschichte des fünften und sechsten Jahrhunderts ist durch die Auflösung der Einheit der Kirche im (byzantinischen) Reich und die Ausprägung eigener kirchlicher Hierarchien im Orient gekennzeichnet. Wesentlich Anteil an diesem Prozeß hat die Auseinandersetzung um die verwendete christologische Begrifflichkeit. Die Gegner der Formel des Konzils von Chalkedon (451), nach der Christus in zwei Naturen sei, werden dabei gemeinhin als ‚Monophysiten' bezeichnet, das heißt als solche Theologen, die nach der Einigung der Naturen in Christus nurmehr eine einzige, nämlich göttliche Natur in Christus annehmen. Hierbei wird zumeist zwischen ‚Verbal-‚ und ‚Realmonophysiten' unterschieden. Zu ihren herausragendsten Theologen zählt Severos, der zwischen 512 und 518 den Bischofsstuhl von Antiocheia innehatte.
In jüngeren Arbeiten - und im jüngeren ökumenischen Dialog mit den sogenannten ‚altorientalischen Kirchen' - ist indes die Angemessenheit des Begriffes ‚Monophysitismus' in Zweifel gezogen worden. Anstelle des umstrittenen Begriffes ‚Monophysitismus' ist die Bezeichnung ‚Miaphysitismus' vorgeschlagen worden, weil dieser auf die besonders von Kyrillos von Alexandreia vertretene Mia-Physis-Formel anspiele und dadurch die Position der Konzilsgegner zutreffender beschreibe als der Begriff ‚Monophysitismus'.
Gerade vor einem interdisziplinären Publikum erscheint es deshalb als reizvoll, beide Begriffe zu untersuchen und auf ihre Angemessenheit hin zu überprüfen. Dies geschieht wohl am besten durch eine Analyse der Schriften eines der bedeutendsten Vertreter ‚monophysitischer' Christologie. Der Beitrag konzentriert sich deshalb auf eine Untersuchung der syrisch erhaltenen und wahrscheinlich aus der Zeit des ägyptischen Exil des Severos [518-535] stammenden Briefe des Severos von Antiocheia [ed. Brooks, PO 12/2]. Er ist bestrebt, diese in einem ersten Schritt aus sich selbst heraus zu verstehen - trotz der Schwierigkeiten, die eine Übersetzung mit sich bringt- , und sie erst dann, in einem zweiten Schritt, in den zeit- und dogmengeschichtlichen Hintergrund einzuordnen. Auf diese Weise erscheint es möglich, gerade auch mit Vertretern anderer Disziplinen die in der Forschung angewandte Begrifflichkeit neu zu hinterfragen.

Stand 28. Februar 2001