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Indologie |
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Sven Sellmer
Obwohl er dort keine erstrangige Bedeutung hat, taucht der Begriff "lieb" (priya, P. piya) in den älteren Upanischaden mehrfach im Zusammenhang mit Atman-Brahman-Spekulationen auf. Dabei lassen sich deutlich ein positiver und ein negativer Ansatz unterscheiden: 1. Atman/Brahman werden (in ihrer Eigenschaft als letztes Ziel menschlichen Strebens) als das Liebe schlechthin gesehen. 2. Das Liebe gilt als verhängnisvolle Fessel an das Diesseitige, die zum Zweck der Erlösung zerbrochen werden muß. Auch im Pali-Kanon wird das Wort piya- sowohl mit positiven als auch mit negativen Vorzeichen versehen, wobei die negative Perspektive im Vordergrund steht. Beim genauen Vergleich einzelner Passagen aus beiden Textgruppen zeigen sich Parallelen, die nicht unbedingt auf direkte Abhängigkeit hinweisen, wohl aber gestatten, den gemeinsamen sprachlichen und geistigen Hintergrund zu erhellen, vor dem sich der philosophische Gebrauch des Wortes priya/piya entwickelt hat. Abschließend wird ein kurzer Blick auf die Rolle des Begriffs phílos in der griechischen Philosophie geworfen, und es werden Berührungspunkte der beiden Traditionen aufgezeigt.
Stand 11. Februar 2001
Zur Thematik des "Lieben" (priya/piya) in den Upanischaden und im
Pali-Kanon