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Indologie |
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Georg v. Simson:
Sinivali ist eine der "kleineren" Göttinnen, die neben Raka, Anumati und Kuhu spätestens seit der Zeit des Yajurveda (KS 12.8) mit bestimmten Mondphasen in Verbindung gebracht wird. Ob dies auch schon für den Rgveda gilt, wo Sinivali in nur zwei Hymnen (2.32 und 10.184) genannt wird und wo statt Kuhu nur einmal Gungu (2.32.8, neben Sinivali, Raka, Sarasvati, Indrani und Varunani) erscheint, ist umstritten. In der Atharvavedasamhita ist jeder der drei Göttinnen Sinivali, Kuhu und Raka eine kleine Hymne gewidmet (A V 7.46-50). Hier wird Sinivali als Visnus -Gemahlin (patni) bezeichnet - eine willkommene Bestätigung von Visnus Neumondcharakter. Die Neumondperiode, d. h. die Zeit, in der man auf das Wiederauftauchen des Mondes am Westhimmel wartete, wurde verständlicherweise mit Schwangerschaft, Geburt und Fruchtbarkeit assoziiert - der Mond ist ja die Gottheit, deren Geburt/Wiedergeburt besonders hervorgehoben wird. Daher erklärt sich die spätere Verbindung Visnus mit Sri, deren Fruchtbarkeitsaspekt u.a. von J. Gonda stark hervorgehoben worden ist. Die Verbindung Sinivalis mit den niederen Regionen der Fruchtbarkeit wird durch eine puranische Erzählung (siehe u.a. Matsya- und Vayupurana) illustriert, wonach die Göttin ursprünglich mit Kardama, der Personifizierung des (fruchtbaren) Schlamms, verheiratet gewesen sein soll. Sie habe, ebenso wie acht andere Göttinnen (zu denen auch Laksmi gehört), ihren ersten Mann zugunsten Somas verlassen. Die Göttin hat also eine Astralisierung/Lunarisierung erfahren, die offenbar schon in vedischer Zeit stattgefunden hat. Verschiedene Indizien, u.a. wohl auch der Name der Göttin, deuten daraufhin, dass die fruchtbarkeitsfördernde Substanz, die Sinivalis Eigenart ausmacht, die Asche gewesen ist. Von daher würde verständlich, warum sie bei ihrer Versetzung an den Himmel mit der letzten Phase des Mondes vor dessen Verschwinden in der Sonne identifiziert worden ist. In dieser Phase lässt sich bei guten Sichtverhältnissen nicht selten der unbeleuchtete Teil des Mondes neben der hauchdünnen Sichel erkennen. Dessen Farbe wird auch im Westen mit Asche assoziiert, so dass "aschgraues Mondlicht" ein fester Begriff geworden ist. Da die Inder die Sonne als Agnis himmlische Form ansahen, lag es nahe, den aschgrauen Teil des Mondes als Asche des Sonnenfeuers aufzufassen und mit Sinivali zu verknüpfen.
Stand 28. Februar 2001
Sinivali und das aschgraue Mondlicht