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Indologie |
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Michael Zimmermann:
Die Tathagatagarbha-Lehre war im vergangenen Jahrzehnt heftiger Kritik von seiten einer Gruppierung ausgesetzt, die sich selbst als "Critical Buddhism" (Hihan Bukkyo) bezeichnet. Ihre beiden Hauptrepräsentanten N. Hakamaya und S. Matsumoto von der buddhistischen Komazawa Universität in Tokyo sehen in dieser Lehre einen Widerspruch zu den Grundmaximen des Buddhismus, die für sie in der strikten Ablehnung eines atman und in der Anerkennung des Gesetzes vom Entstehen in Abhängigkeit (pratitya-samutpada) bestehen. Das Selbstverständnis aller Texte der Tathagatagarbha-Richtung muß jedoch klar als im Mahayana-Buddhismus verwurzelt beschrieben werden. In immer mehr historischen Darstellungen des indischen Mahayana findet die Tathagatagarbha-Richtung zudem als dritte große Strömung Erwähnung.
Stand 11. Februar 2001
Tathagatagarbha: Der Ursprung von der Lehre der Buddha-Natur aller Lebewesen im indischen
Mahayana
In dem Beitrag werde ich mich mit dem ältesten erhaltenen Text der Tathagatagarbha-Richtung auseinandersetzen, nämlich dem Tathagatagarbha-sutra selbst, das wohl schon im 3. Jahrhundert AD in Indien entstand. Seine neun berühmten Gleichnisse, mit denen die Buddhanatur aller Lebewesen illustriert werden sollen, wurden vor allem vom Ratnagotravibhaga, dem wichtigsten sastra der Lehrrichtung in Indien als ein zentrales Element aufgegriffen und so zur Grundlage späterer buddhistischer Entwicklungen vor allem in Tibet und Ostasien.
Ausgehend von einer Darstellung der Überlieferungssituation der tibetischen und chinesischen Übersetzungen des Tathagatagarbha-sutras, von dem keine Sanskrit-Fragmente existieren, soll Licht auf seine Textgeschichte geworfen werden. Diese ist eng mit der Genese des Begriffes tathagata-garbha verbunden. Eine Analyse des Kompositums tathagata-garbha im Rahmen des Sutras soll auch zur Klärung der philosophischen Grundposition der Tathagatagarbha-Lehre in diesem frühesten Stadium beitragen. Das später vorherrschende Verständnis der Lehre im Sinne eines zur Reifung gelangenden "Keimes zur Buddhaschaft" oder "Buddha-Embryos" dürfte dabei kaum eine maßgebliche Rolle gespielt haben, auch wenn zwei der neun Gleichnisse eine solche Interpretation nahelegen. Vielmehr deutet die im Sutra sich äußernde Vorstellung auf eine Manifestationslehre, bei der von einer seit jeher vollkommen ausgereiften Buddhaschaft in allen Lebewesen ausgegangen wird, die jedoch, um wirksam werden zu können, erst freigesetzt werden muß.
Ähnlich wie im Saddharmapundarika nimmt die heilskonstituierende Tätigkeit des Buddha dabei eine überragende Stellung ein. Nicht zuletzt diese verbindet die beiden Texte. Auch in philosophischer Sicht gibt das Tathagatagarbha-sutra Antwort auf Fragen, die zur Entstehungszeit des Saddharmapundarika noch nicht formuliert werden konnten. Die mahayanistische ekayana-Lehre erhält dadurch ihr metaphysisches Fundament.