DMG- XXVIII. Deutscher Orientalistentag, Bamberg, 26.-30.3.2001
 
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Abstracts / Zusammenfassungen der Vorträge
Iranistik

Asya Asbaghi:
Zur Problematik von Liebe, Geliebte(r) und Wein in der klassischen persischen Poesie

Zahlreiche Meisterwerke der klassischen persischen Dichtung preisen trotz des Verbotes seitens der offiziellen Religion den Genuß von Wein und die Suche nach dem bzw. der Geliebten anstelle der Praktizierung der Gebote der offiziellen Religion. Es ist in diesem Zusammenhang häufig die Frage gestellt worden, was unter den Begriffen 'eshq (Liebe), 'asheq (Geliebte(r)) und mey (Wein) zu verstehen sei? Ist die Geliebte bzw. der Geliebte eine Metapher für Gott und symbolisiert die Liebe die Suche nach ihm? Es stellt sich des weiteren die Frage, welcher Gott hier gemeint sein könnte, denn offensichtlich handelt es sich nicht um den Gott der Orthodoxie; zwischen Moschee, Synagoge oder Feuertempel besteht für die Dichter kein Unterschied. Eine Antwort auf alle diese Fragen könnte vielleicht darin gefunden werden, dass an einigen Stellen davon die Rede ist, dass sich der Gott der Dichter im Weinbecher manifestiert und das Trinken des Weines in diesem Zusammenhang nicht nur als eine Form der Religionsausübung angesehen wird, sondern kann wie eine Taufe oder wie eine Reinigung der Seele aufgefasst werden. Die äußeren Kultvorschriften, z.B. die qibla, die "Gebetsrichtung", werden verworfen und durch das Trinken ersetzt. Bei den wahrhaft Erleuchteten spielen die Unterschiede zwischen den einzelnen Religionen keine Rolle mehr, da sie alle in einem "Schatz", der das Symbol ihrer selbst darstellt, vereint werden. Der Vortrag will versuchen, den oben formulierten Fragen anhand von Beispielen aus der klassischen persischen Dichtung nachzugehen.

Stand 11. Februar 2001