DMG- XXVIII. Deutscher Orientalistentag, Bamberg, 26.-30.3.2001
 
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Abstracts / Zusammenfassungen der Vorträge
Iranistik

Ilse Itscherenska
Exiliraner auf der internationalen Sozialistenkonferenz in Stockholm

In der Zeit vom Frühjahr bis zum Herbst 1917 reisten mehrere iranische Nationalisten in Abständen nach Stockholm, um an der - wie sich herausstellte, schon im Vorfeld scheiternden - internationalen Sozialistenkonferenz teilzunehmen. Es waren Emigranten, die aus Berlin oder aus dem mit Deutschland verbündeten Osmanischen Reich kamen. Zu Beginn des Ersten Weltkriegs hatten sie auf eine Allianz mit dem Deutschen Reich gesetzt, weil sie glaubten, mit dessen Hilfe die Kolonialmächte Rußland und Großbritannien aus ihrem Land vertreiben zu können. 1917 waren sie zwar schon um viele Illusionen ärmer, doch arbeiteten sie noch immer auf die eine oder andere Weise mit den Deutschen zusammen. In dem Beitrag soll einerseits dargelegt werden, welche Überlegungen die deutsche Seite trotz mancher Bedenken dazu bestimmten, die Iraner (und andere mit Deutschland kooperierende Orientalen) nach Stockholm reisen zu lassen. Andererseits und vor allem soll es um die Exiliraner selbst gehen: Welche Erwartungen verbanden sie mit der Sozialistenkonferenz? Was war der konkrete Inhalt ihrer offiziellen und inoffiziellen Tätigkeit? Wie wirkten sie zusammen? Wie verliefen ihre Begegnungen mit Sozialdemokraten bzw. Sozialisten europäischer Länder? Welchen Charakter hatten ihre Kontakte zu Delegierten anderer abhängiger oder kolonialer Länder? Wie gestaltete sich ihre Zusammenarbeit mit den deutschen Stellen? Unter welchen Bedingungen lebten und arbeiteten die Exiliraner? Wie war das Echo auf ihre Stockholmer Aktivitäten bei den Landsleuten in und außerhalb Irans? Die zentrale Frage wird sein, ob die iranischen Nationalisten in Stockholm unter den komplizierten Bedingungen des Jahres 1917 nationale Interessen wahrnahmen.

Stand 1. März 2001