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Iranistik |
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Mariella Ourghi:
Seit dem Sieg der Islamischen Revolution Anfang 1979 ist die Diskussion um die schließlich in der Verfassung der Islamischen Republik Iran verankerte vilayat-i faqih-Theorie nicht zur Ruhe gekommen. Die Debatte um diese herrschende Staatsdoktrin scheint sich sogar seit dem Tode des Revolutionsführers Äyatullah Humayni im Jahre 1989 und insbesondere seit dem Amtsantritt des als liberal und reformwillig geltenden Staatspräsidenten Hatami im Frühjahr 1997 verstärkt zu haben. Nichtsdestotrotz müssen Kritiker der vilayat-i faqih in Iran nach wie vor mit Repressionen rechnen.
Stand 28. Februar 2001
Gottesherrschaft oder Demokratie. Schiitische Kritiker der vilayat-i faqih
Die Theorie der vilayat-i faqih. die Humayni Anfang der siebziger Jahre in seinem schmalen, aber folgenschweren Werk über das islamische Regierungssystem darlegte, besagt, daß die politische Herrschaft in den Händen eines Rechtsgelehrten zu liegen hat. Dieser faqih sollte im Idealfall der gerade allgemein anerkannte marga-i; taqlid sein. Der Begriff der vilayat-i faqih ist dabei keineswegs eine Erfindung Humaynis. Über den Umfang der Befugnisse, die die vilayat des Rechtsgelehrten beinhaltet. und über die genaue Bedeutung des Begriffs sind sich die schiitischen Gelehrten nicht einig. Die Mehrzahl der schiitischen Geistlichen vertritt die seit dem 19. Jahrhundert etablierte Meinung, daß die vilayat der fuqaha' folgende Befugnisse umfasse: Leitung der Rechtssprechung und der religiösen Stiftungen. Verwaltung des dem verborgenen Imam zustehenden Vermögens und Vormundschaft über Minderjährige und Geisteskranke. Hauptsächlich aus einem schwerwiegenden Grund ist die vilayat-i faqih-Theorie Humaynis bei vielen auf Ablehnung gestoßen: Sie berechtigt ausschließlich die Klasse der Geistlichkeit zur Ausübung politischer Herrschaft. Mit anderen Worten, sie widerspricht demokratischen Grundsätzen und birgt somit die Gefahr diktatorischer Regierungsausübung.
Mein Vortrag wird Kritik aus den Reihen der schiitischen Geistlichkeit einerseits und schiitischer, jedoch nichtgeistlicher Intellektueller andererseits behandeln. Natürlich richtet sich das Hauptaugenmerk auf Iran. Es werden aber auch Kritiker aus Libanon. dem Irak und dem westlichen Ausland Berücksichtigung finden. Anhand überwiegend arabischer und persischer Quellen sollen die Motive für die Kritik, die Argumentation ihrer Verfechter und die Vorschläge alternativer Regierungsformen untersucht werden.