DMG- XXVIII. Deutscher Orientalistentag, Bamberg, 26.-30.3.2001
 
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Abstracts / Zusammenfassungen der Vorträge
Islamwissenschaft

Roswitha Badry: Obligationszeit statt Freizeit: Darf dennoch gelacht werden?

Der Vortrag gibt auf der Basis verschiedener arabischer Quellen (unter anderem Monographien und Rechtsgutachten "erlaubter Vergnügungsformen" und zur "islamischen Erziehung" von sunnitischen und schiitischen Gelehrten) einen Einblick in die Vorstellungen fundamentalistischer Chefideologen über die "ideale Freizeitgestaltung" frommer Muslime. Bie näherem Hinsehen entpuppen sich diese Empfehlungen zur sinnvollen Nutzung der freien Zeit als zum Teil aberwitzige, in erster Linie moralisierende Vorschriften zu einer einseitig orientierten und fremdbestimmten "Obligationszeit", die allein dem islamistischen Ziel der Etablierung der "rechtgläubigen Gemeinde" dienen. Sie stehen damit in eklatantem Widerspruch zur westlichen Auffassung von Freizeit, die der Einzelne selbst bestimmt und die ihm vielfältige Gestaltungsmöglichkeiten bietet. Die Ablehnung bestimmter Vergnügungsformen basiert zum einen auf überlieferten islamisch-rechtlichen Vorbehalten (auch gegen traditionelle Rekreationsmethoden wie Mawsims), zum anderen auf der bewußten Abkehr vom als unmoralisch verdammten Westen. In einigen Fällen gewährt jedoch der Sinn fürs Pragmatische interessante Symbiosen und Teilzugeständnisse an die Moderne.
Der Beitrag berücksichtigt Erkenntnisse der westlichen Freizeitforschung und Pädagogik.

Stand 11. Februar 2001