DMG- XXVIII. Deutscher Orientalistentag, Bamberg, 26.-30.3.2001
 
[Hauptseite] [Islamwissenschaft] [Panels]  
 
Abstracts / Zusammenfassungen der Vorträge
Islamwissenschaft

Hartmut Brunner:
Schiitische Autobiographien

Das Genre der biographischen Lexika und Nachschlagewerke hat im Islam eine lange zurückreichende Tradition. Ursprünglich vor dem Hintergrund der Hadithüberlieferung entstanden - für die die Identifikation der einzelnen Tradenten unerläßlich war -, hat sich diese Literaturgattung bis heute erhalten. Für den außenstehenden Betrachter erfüllen die Biographiensammlungen nicht nur die bloße Funktion als Nachschlagewerk, sondern ermöglichen auch interessante sozialgeschichtliche Einblicke. Gerade innerhalb der Schia haben manche Autoren auf diesem Gebiet eine staunenswerte Produktivität an den Tag gelegt. Erwähnt seien hier nur so bedeutende Werke wie al-Hurr al-Amilis Amal al-Amil oder Muhsin al-Amins vielbändiges Ayan ash-shi'a. Nicht selten haben schiitische Gelehrte die Gelegenheit genutzt, sich in ihren Lexika selbst zu verewigen. Diese autobiographischen Einträge reichen von kurzen Skizzen eher biobliographischer Natur bis zu mehrseitigen Abhandlungen, die mitunter (etwa im Falle Muhsin al-Amins) gar monographische Ausmaße annehmen können. Anhand ausgewählter autobiographischer Artikel aus zehn Jahrhunderten sowie einiger selbständig erschienener Lebensbeschreibungen soll der Versuch unternommen werden, eine Art Selbstportrait der schiitischen Geistlichen zu entwerfen. Was waren und sind die Formen der Autobiographien und mögliche Motive, die hinter ihrer Abfassung gestanden haben mochten? Was sagen die Gelehrten über sich und über ihre Kollegen aus - und was nicht? Welche Bedeutung haben sie für die schiitische Geistesgeschichte im allgemeinen?

Stand 11. Februar 2001