DMG- XXVIII. Deutscher Orientalistentag, Bamberg, 26.-30.3.2001
 
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Abstracts / Zusammenfassungen der Vorträge
Islamwissenschaft

Andreas Görke:
Theorie und Praxis in der Werküberlieferung - Das Kitab al-Amwal des Abu 'Ubaid al-Qasim b. Sallam

Der Vortrag behandelt das Problem der Überlieferung von Werken im frühen Islam. Die Frage, ob und inwieweit "Werke" in der Weiterüberlieferung noch Veränderungen unterworfen waren, ist in der Forschung umstritten. Mit dem Vortrag soll eines der damit zusammenhängenden Probleme näher beleuchtet werden.
Die Eingangsisnade und riwaya-Vermerke, die am Beginn von zahlreichen Handschriften zu finden sind, geben Auskunft über die gehörte Überlieferung eines Werkes, also über die Weitergabe der Überlieferungsberechtigung. Sehr viel seltener finden wir in den Handschriften auch Angaben über die schriftlichen Vorlagen. In der Theorie stellt das fehlende Wissen über die schriftliche Vorlage einer Handschrift kein Problem dar, da beim Hören der Handschrift ein Vergleich der Abschrift mit dem Exemplar des Lehrers erfolgen sollte. In der Praxis ist allerdings zu beobachten, dass eine solche Überprüfung der Überlieferung keineswegs immer erfolgte.
Anhand der Überlieferung des Kitab al-Amwal des Abu 'Ubaid (st. 224/838) sollen Beispiele dafür gegeben werden, wie die Überlieferung in der Praxis aussehen konnte. Dabei soll unter anderem gezeigt werden, dass eine einzige Handschrift durchaus Grundlage verschiedener Überlieferungsstränge sein kann. Dies hat Konsequenzen für die Bewertung von isnaden, die meines Erachtens bislang nicht in ausreichendem Maße berücksichtigt wurden. Eine Übereinstimmung verschiedener Überlieferungsstränge eines Werkes ließe demnach nicht ohne weiteres Rückschlüsse auf das Werk selbst zu. Möglicherweise könnten auch aus dem Rahmen fallende Überlieferungen, die in Isnadanalysen gelegentlich zu finden sind, auf diese Art und Weise erklärt werden. Insgesamt scheint eine kritischere Bewertung der isnade geboten zu sein.

Stand 11. Februar 2001