DMG- XXVIII. Deutscher Orientalistentag, Bamberg, 26.-30.3.2001
 
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Abstracts / Zusammenfassungen der Vorträge
Islamwissenschaft

Iradj Khalifeh-Soltani / Susanne Kurz:
Verschollen und vergessen ? - Warum gingen so viele Bände verloren? (Fragen und Überlegungen zur Überlieferungsgeschichte des "Tarih-e Beyhaqi")

Im Laufe dieses Vortrags möchten wir verschiedene Fragen zur Überlieferungsgeschichte des "Tarih-e Beyhaqi" aufwerfen, eines Geschichtswerkes über die Gaznavidendynastie, das Abu'l-Fazl-e Beyhaqi in der zweiten Hälfte des 5./11. Jahrhunderts verfaßt hat und dessen Übersetzung ins Deutsche wir vor geraumer Zeit in Angriff genommen haben.
Zentral soll dabei folgende Fragestellung sein: Warum sind vom "Tarih-e Beyhaqi" gerade die Bände nahezu vollständig erhalten, die Masud von Gaznas Regierungszeit umfassen, und warum sind alle anderen verloren gegangen? - Handelt es sich um einen bloßen Zufall, eine Laune der Überlieferungsgeschichte, oder können wir Gründe erkennen, die zu dieser Entwicklung geführt haben könnten?
Im Laufe des Vortrags hoffen wir, einige Lösungsansätze vorschlagen zu können, die etwas Licht ins Dunkel der Überlieferungsgeschichte werfen. - Um an dieses Ziel zu gelangen, stellen wir weitere Fragen: Von wem, wann und wie wird das Werk in späteren Quellen erwähnt? Warum sind aus den Bänden, welche die Zeit vor Masuds Regierung beschrieben, Zitate in späteren Quellen zu finden, nicht aber aus den Bänden, welche die Zeit nach Masuds zum Gegenstand hatten?
Nachdem wir die maßgeblichen (v.a. persischen) Quellen ausgehend von Ibn Funduqs "Tarih-e Beyhaq" bis hin zu Uqailis "Atar al-wuzara'" unter dem Gesichtspunkt dieser und untergeordneter Fragen untersucht haben, werden sich weitere Fragen und auch Lösungsansätze ergeben, bei denen wir vorerst stehenbleiben wollen.
Ziel des Vortrags ist es nicht, bereits bestehendes Wissen zu vermitteln oder eine ausgereifte Theorie vorzustellen. Vielmehr wollen wir durch unsere Fragen und Lösungsvorschläge eine Richtung weisen, die vielleicht einmal zur Beantwortung dieser interessanten überlieferungsgeschichtlichen Fragen führen kann.
Wir betrachten dies als Gelegenheit, das nächstliegende Material und erste gedankliche Schritte zu präsentieren und zur Diskussion zu stellen, in der Hoffnung, Anregungen und kritische Hinweise zu bekommen, die in unsere weitere Forschung einfließen können.

Stand 28. Februar 2001