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Islamwissenschaft |
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Eva Orthmann:
Abschied von Qais und YamanQais und Yaman begegnen uns in den Quellen zu den ersten Jahrhunderten islamischer Herrschaft als zwei Stammeskonföderationen, die das politische Geschehen nicht unwesentlich mitbestimmt haben sollen. Insbesondere ihre gegenseitige Feindschaft wird in den Quellen immer wieder als Grund für Konflikte genannt.
Wurden in der Forschung zwar Zweifel daran geäußert, dass es sich bei diesen tribal bezeichneten Gruppierungen am Ende der Umayyadenzeit tatsächlich noch um Stämme gehandelt habe, so wurde die Existenz zweier einander antagonistisch gegenüberstehender Blöcke bisher noch nie in Frage gestellt. Viele Überlieferungen, in denen von Qais und Yaman die Rede ist, erweisen sich jedoch als quellenkritisch problematisch.
Das tatsächliche Verhalten von Stämmen lässt sich am besten anhand einer Untersuchung von Konflikten aufzeigen. Dabei gilt es, nur solche Aussagen zu werten, die jenseits intendierter Tendenzen liegen. Besonders wertvoll sind Angaben zu den Namen beteiligter Unterstämme und Einzelpersonen. In günstigen Fällen ist es sogar möglich, die Handlungsmotivation der Beteiligten zu erschließen. Die dabei sichtbar werdenden Eigeninteressen von Stämmen werfen grundsätzliche Fragen nach der Bedeutung genealogischer Bindungen auf. Ähnliche Fragen sind in der Ethnologie bereits intensiv untersucht worden. Die in der Forschung diskutierten Theorien sollen daher vorgestellt und mit dem System der zweigeteilten arabischen Genealogie in Verbindung gebracht werden. In letzter Konsequenz resultieren hieraus erhebliche Zweifel an der so oft beschworenen Polarität zwischen Qais und Yaman.Stand 11. Februar 2001