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Islamwissenschaft |
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Nadim Salameh
Rechtstheorie und Siedlungspraxis im mamlukischen Ägypten: al-Suyuti's Traktat wider die Besiedlung der NiluferGegenstand des Vortrags ist eine rechtshistorische Zusammenschau einschlägiger Vorschriften zur Urbarmachung von Land, insbesondere an den Ufern des Nil. Textgrundlage bildet Jalal al-din al-Suyuti's (gest. 1505) "Traktat wider die Besiedlung der Nilufer" ("al-jahr bi-man' al-buruz fi shati' al-nahr Nil"), abgefaßt Ende des 15. Jahrhunderts zur Zeit mamlukischer Herrschaft in Ägypten.
Ausgehend von einem konkreten Rechtsfall wendet sich der berühmte schafiitische Gelehrte gegen gängige Siedlungspraktiken seiner Zeit, die er für rechtlich unzulässig erachtet. Neben ihrem in der Hauptsache juristisch-theoretischen Inhalt gewährt die Quelle derart Einblicke in wirtschaftshistorischer Zusammenhänge.
In langen Argumentationssträngen mit rechtsvergleichender Vorgehensweise zitiert al-Suyuti in dichter Abfolge aus Schriften bedeutender Vertreter der schaffiitischen, hanafitischen und maliktischen Rechtsschule, darunter al-Mawardi, al-Subki, Abu Yusuf und al-Bulqini. Des weiteren nennt der Text zahlreiche Überlieferungen des Propheten, die in den sechs kanonischen Sammlungen teils nicht enthalten sind.
Stehen dabei zunächst Erörterungen im Vordergrund, die sich auf die Besiedlung und Urbarmachung von Ufersäumen beziehen, behandelt al-Suyuti auch damit engverknüpfte Fragen aus wechselwirkenden Bereichen des Sachenrechts wie die Urbarmachung von Ödland, Landeigentum und Lehenswesen sowie Wasserrecht und Wasserbesitz. Dabei wird auf Rechtsnormen und Rechtsfolgen hingewiesen, die auf Flüsse, Wadis, Brunnen und Quellen Bezug nehmen.
Im Ergebnis stellt al-Suyuti - für die Brillianz seiner Argumentationen und Schärfe seiner Polemik gleichermaßen geachtet wie gefürchtet - heraus, daß weite Bereiche der Nilufer, so auch die Nilinsel al-Rawda, zumindest nach seiner Auffassung nur innerhalb eng bemessener juristischer Grenzen jemals hätten besiedelt werden dürfen.Stand 11. Februar 2001