DMG- XXVIII. Deutscher Orientalistentag, Bamberg, 26.-30.3.2001
 
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Abstracts / Zusammenfassungen der Vorträge
Islamwissenschaft

Gerald Schuster:
Die Beziehung der Fatimiden zu den Ziriden

In folgendem Vortrag soll die Entstehung und Entwicklung der Beziehungen der schiitischen Fatimiden zu den sunnitischen Ziriden von ihren Anfangen um 944 bis zum Bruch 1051 behandelt werden. Dabei soll der Frage nachgegangen werden, warum die gegenseitigen Beziehungen trotz der konfessionellen Gegensätze und der unterschiedlichen Interessen so lange Bestand hatten.
Der Aufstand des harigitischen Zanata-Berbers Abu Yazid ist Dreh- und Angelpunkt der fatimidisch-ziridischen Beziehungen, da er zur Etablierung der Erbdynastie der Ziriden in Ifriqiya fuhrte. Als der Fatimidenkalif in seiner tunesischen Seefestung al-Mahdiyya von den Truppen Abu Yazids eingekesselt wurde, kam ihm der Sanhaga-Berber Ziri zu Hilfe. Gemeinsam gelang ihnen die Niederschlagung des Aufstandes. Ziri und sein Sohn Bulukkin zeichneten sich durch Loyalität zu den Fatimiden aus. Daher setzten die Fatimiden sie nach ihrer Übersiedlung nach Ägypten als fatimidische Vizekönige von Ifriqiya und den Zentralen Maghreb ein. Somit entstand die Kleindynastie der Ziriden. Die Ziriden brauchten als weltliche Dynastie die Legitimation durch eine kalifale Macht wie die der Fatimiden. Diese wiederum waren daran interessiert, daß westlich ihres Herrschaftsbereiches keine ihnen feindlich gesinnte Macht die Oberhand gewinnen konnte. Daher behielten sie den Ziriden Tripolitanien, die Kleine Kabylei und Sizilien vor, womit eine ziridische Expansion nur in westliche Richtung möglich war. Das schloß außerdem die Bekämpfung der Zanata und der spanischen Umayyaden ein. Seit der Regierungszeit Bulukkins herrschten die Ziriden de facto wie unabhängige Herrscher über Ifriqiya und den Maghreb. Die fatimidisch-ziridischen Beziehungen beschränkten sich von dieser Zeit an bis zu dem Bruch 1051 auf den Austausch von gegenseitigen Gunstbezeugungen wie Geschenken und der Verleihung von Ehrentiteln seitens der Fatimiden an die Ziriden. Die unterschiedliche Konfessionszugehörigkeit spielte bis zu den Schiitenmassakern von 1016 ebenfalls eine eher untergeordnete Rolle. An der Hinrichtung zweier von den Fatimiden unterstützter schiitischer Missionare machten die Ziriden aber ganz deutlich, daß sie schiitische Missionstätigkeit in Ifriqiya nicht tolerierten. Der fatimidische Kalif war allerdings auch kaum in der Lage, daran etwas zu ändern, da die Ziriden bereits fest etabliert waren und ferner das Vertrauen der Bevölkerung hatten. Die Verhärtung der fatimidischen Diplomatie gegenüber den Ziriden und der wachsende Unmut der mehrheitlich sunnitischen Bevölkerung Ifriqiyas über die Tatsache, daß das Schiitentum noch immer die offizielle Doktrin war, führte zu einer Verschlechterung der fatimidisch-ziridischen Beziehungen und schließlich zum Bruch.

Stand 28. Februar 2001