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Japanologie |
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Klaus Schlichtmann:
In Japan gibt es, wie in der Bundesrepublik, einen Historikerstreit, der ebenso intensiv und polemisch geführt wird. Während der deutsche Historikerstreit seinen Ursprung jedoch im Ersten Weltkrieg hat, geht es in Japan vor allem um die Geschichte des Zweiten Weltkrieges und das japanische Engagement in Asien während des Krieges. Japan hat sich für die Greueltaten, welche die japanische Armee in China und in anderen Teilen der von ihm beherrschten ‚Groß-Ostasiatischen Wohlstandsphäre' begangen hat, nach Auffassung der Betroffenen noch nicht hinreichend entschuldigt. Ursache ist u.a. die teilweise sehr unterschiedliche Bewertung und sogar Leugnung der beklagten Ereignisse. Die unterschiedlichen Auffassungen der beiden ‚Schulen', repräsentiert durch Vertreter der ‚revisionistischen' Schule wie Nishio Kanji auf der einen und Vertreter der ‚fortschrittlichen' Schule wie Shunsuke Tsurumi auf der anderen Seite sollen vorgestellt werden. Aber auch die von offizieller Seite tatsächlich vorgetragenen Entschuldigungen, beginnend mit der von Ministerpräsident Morihiro Hosokawa im Jahre 1993, sollen ebenfalls Gegenstand der Untersuchung sein. Dabei wird die bestimmende Ursache für den Zweiten Weltkrieg in der Literatur meist - wenn auch z.T. aus ganz verschiedenen, einander diametral entgegengesetzen Gründen - bereits im Ersten Weltkrieg gesehen; eine Entschuldigung für die Entfachung des ‚Weltbrandes' - die Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts (Fritz Stern) - von 1914-18 ist jedoch bislang nicht ausgesprochen worden. Es soll also untersucht werden, in welchem Verhältnis diese beiden Ereignisse stehen, für die die jeweils zugrundeliegenden Handlungen, welche die angenommene ‚Schuld' ausmachen, und der Grad der ‚Vergangenheitsbewältigung' in Japan und Deutschland als charakteristisch angesehen werden.
Stand 11. Februar 2001
Japanische (und deutsche) Apologien zum (Ersten und) Zweiten Weltkrieg - eine Untersuchung zum Historikerstreit in Japan und
Deutschland
Bei der Diskussion um Schuld und Entschuldigungen sollte jedoch die friedenshistorische Dimension nicht vergessen werden. Ein bedeutendes außenpolitisches Ziel des zwanzigsten Jahrhunderts war nämlich die Abschaffung der Institution des Krieges und die Schaffung einer wirksamen internationalen Organisation, die sie ersetzen sollte. Das Fehlen einer solchen Organisation und die Unfähigkeit bzw. Unwilligkeit der Staaten, sich für dieses Ziel einzusetzen wird demnach als eine Ursache dafür angesehen, dass Kriege auch in Zukunft nicht verhindert werden können. So hatte z.B. das Deutsche Reich auf den Haager Friedenskonferenzen 1899 und 1907 trotz grundsätzlicher Bereitschaft einer Mehrheit der Staatengemeinschaft ‚bewusst' das Zustandekommen verbindlicher internationaler Rechtsvereinbarungen (das ‚Obligatorium') vereitelt.
Trotz auffallender Unterschiede, vor allem des sozialen Umfelds und der historischen Voraussetzungen in Deutschland und Japan, könnte die in dieser Untersuchung angestrebte Gegenüberstellung möglicherweise zu neuen Erkenntnissen in der historischen Forschung führen.