![]() |
|
![]() |
|
|
|
|
|
Japanologie |
|
|
|
|
|
|
|
Rolf-Harald Wippich:
Mit der erzwungenen Landesöffnung 1853 kamen nach über zweihundert Jahren auch wieder christliche Missionare nach Japan. Nach dem sog. "christlichen Jahrhundert" (16./17. Jh.), in dem Japan ausschließlich mit dem Christentum katholischer Observanz in Berührung gekommen war, waren es im 19. Jahrhundert besonders protestantische Missionare -vorwiegend aus dem englischsprachigen Bereich -, die die christliche Religion verbreiteten und bei den Japanern das Bild des Christentums entscheidend prägten. Der Aufschwung des protestantischen Christentums setzte parallel zum Modernisierungselan Meiji-Japans zu Beginn der 1870er Jahre ein und gab vor allem während des folgenden Jahrzehnts seitens der westlichen Missionen wiederholt zu überschwenglichen Hoffnungen Anlaß, Japan im Zuge der Modernisierung nach westlichem Vorbild vollständig christianisieren und damit "kultivieren" zu können. Prägnantester Ausdruck dieser Hoffnungen war die protestantische Missionskonferenz in Osaka im Jahre 1883. An der sechstägigen Konferenz (16.4.- 21.4.1883) nahmen über 100 Missionare und Missionarinnen aus 21 in Japan wirkenden protestantischen Missionsgesellschaften teil, um diverse missionsrelevante Fragen zu diskutieren. Die Agenda erstreckte sich von indigenen Einflüssen auf bzw. Hindernissen für die Christianisierung über Frauenerziehung und Bibelübersetzungen bis hin zu japanspezifischen Missionsmethoden. Ende der 1880er Jahre mußte der missionarische Optimismus einer nüchternen Einschätzung Platz machen. Der anwachsende Nationalismus, gepaart mit erneuter Fremdenfeindlichkeit, das Erstarken von Buddhismus, Shintoismus und Konfuzianismus sowie die Tendenz japanischer Christengemeinden, sich aus der Bevormundung der Missionare zu befreien und ein eigenständiges japanisches Christentum zu begründen, waren keine Vorboten für eine konfliktfreie Evangelisierungskampagne.
Stand 11. Februar 2001
Zur Evangelisierungseuphorie christlicher Missionen in Meiji-Japan.
Die Missionskonferenz von Osaka 1883 - Erwartungen, Illusionen, Enttäuschungen
Im Referat werden die christliche Aufbruchstimmung in Japan vor dem Hintergrund der politischen wie sozialen Umbruchsituation der 1870er und 1880er Jahre untersucht sowie die Evangelisierungseuphorie mit den sozialen und religiösen Traditionen Japans kontrastiert. Anhand von der Missionskonferenz von Osaka wird sowohl die Illusion der christlichen Mission in Japan im 19. Jahrhundert aufgezeigt als auch in einem Ausblick auf die Ambivalenz der Missionierung verwiesen.