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Moderner Orient |
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Gabriele Karayel
In der Kindheit Ahmed Muhtars spielten zwei unterschiedliche mystische Traditionen eine Rolle. Die Mutter war der Sünbüliye, einem Zweig der Halvetiye, verbunden, der Vater der offiziell verbotenen Bektasiye. Als Heranwachsender trat Ahmed Muhtar zusammen mit seinem Vater der Kadiriye bei. Der Sohn wechselte jedoch später ins Kubbe Dergah der Rifaiye in Fatih. Nach ein paar Jahren wurde er Bektasi und frequentierte die Karaagac Tekkesi, welche er schon aus seiner Kindheit durch die Besuche mit dem Vater kannte.
Stand 28. Februar 2001
Der religiöse Aspekt im Leben Ahmed Muhtars (1871-1955)
Die von Ahmed Muhtar herausgegebene Zeitschrift Muhibban, die in den Jahren zwischen 1909 und 1912 als Monatsschrift erschien, und die 1918/19 mit fünf Ausgaben noch einmal auflebte, war eng verbunden mit dem versuch das offizielle Verbot der Bektasiye zu überwinden. Zur allgemeinen Reformierung des Tarikatwesens wollte Ahmed Muhtar ein Gremium etablieren. Die Angehörigen der Bektasiye sollten als gleichwertige Mitglieder an diesem Organ teilhaben. Das Projekt konnte jedoch nicht verwirklicht werden.
Im September 1925, als die Einführung der westlichen Kleiderordnung per Gesetz kurz bevorstand, sorgte das Auftreten Ahmed Muhtars in der Moschee von Cihangir während des Freitagsgebets ohne Kopfbedeckung für einen bebilderten Artikel in zwei Istanbuler Zeitungen. In diesem Zusammenhang bezeichnete sich Ahmed Muhtar als Anhänger der "Fitriye Mezhebi". Eine Erklärung zu dieser Form des Islam erfolgte neun Jahre später in seiner Schrift Tanri, Tanri Kitabi, Tanri Yolu. Dort berief er sich auf eine religiöse Auslegung, die auf Koran und Hadis gestützt, das eigene Gewissen als letzte Instanz anerkenne. Die arabischen Einflüsse der vier unterschiedlichen Konfessionen sollten auf diesem Wege überwunden werden.
In oben erwähntem Werk und in dem zur seIben Zeit erschienenen Kabir Azabi bekannte sich Ahmed Muhtar das erste Mal öffentlich zu seiner Bektasi-Zugehörigkeit. In Tanri, Tanri... berichtete er sogar detailliert über Gespräche und führte Besucher der von ihm als Baba geleitetet Tekke namentlich auf.
Wenn letzt endlich die Religion eine Frage des Gewissens ist, scheint auf dem Altersbild Ahmed Muhtars an dem leeren Band um seinen Hals nur der "Teslim Tasi" der Bektasiye zu fehlen.