DMG- XXVIII. Deutscher Orientalistentag, Bamberg, 26.-30.3.2001
 
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Abstracts / Zusammenfassungen der Vorträge
Moderner Orient


Monika Fatima Mühlböck:
Zur jüngsten Geschichte Omans unter Qabus b. Sa`id Al Sa`id: Zwischen Tradition und Öffnung

Im Jahre 1932 übernahm Sa`id b. Taimur die Macht in dem südöstlichsten Staat der arabischen Welt. Er gehörte dem Stamm der Al Bu Sa`id an, die seit Mitte des 18. Jh. regieren. Bald begann er das Land systematisch von der Außenwelt abzuschotten und jedwede Neuerungen zu unterbinden. Am 23. Juli 1970 stürzte Qabus b. Sa`id mit britischer Duldung und Mithilfe seinen Vater in dessen Palast in Salala. Gesellschaftlich wurde der Oman von seit Jahrhunderten geltenden Strukturen bestimmt und war, was die Infrastruktur und Wirtschaft betraf, von Rückständigkeit geprägt. Zudem mußte der junge Regent gegen die Aufständischen in der Region Zufar vorgehen, die mit massiver Unterstützung des damaligen Südjemens seit der zweiten Hälfte der sechziger Jahre gegen die Herrscherfamilie vorgingen. Die Befriedung gelang erst im Jahre 1974 mit Hilfe iranischer und jordanischer Truppen.
Im Mittelpunkt der Betrachtungen stehen die soziopolitischen und ökonomischen Entwicklungen der letzten dreißig Jahre, die das Land zu einem modernen Staat machten. Aufgrund eines königlichen Dekrets vom Oktober 1981 erfolgte die Gründung des Staatskonsultativrates, der Anfang der neunziger Jahre in eine Beratende Versammlung transformiert wurde. Zu den Hauptaufgaben dieser Einrichtung gehörte die Prüfung der von den Ministerien im Sozial- und Wirtschaftsbereich ausgearbeiteten Gesetzesvorlagen, die Erstellung und Umsetzung von Entwicklungsvorhaben sowie Aufgaben im Bereich des Umweltschutzes.
Im Jahre 1997 gingen die Frauen zum ersten Mal zu den Wahlurnen und konnten sich auch als Kandidatinnen aufstellen lassen. Heute umfaßt die Versammung ein Zwei-Kammern-System.
Seit November 1996 besitzt der Oman eine 81 Artikel umfassende Verfassung, die in sieben Kapitel eingeteilt ist: Der Staat und sein Regierungssystem, die leitenden Grundlagen der Staatspolitik, öffentliche Rechte und Pflichten, das Oberhaupt und die Organe des Staates, der Omanische Rat, das Gerichtswesen und die allgemeinen Bestimmungen. Der Sultan ist laut Verfassung das Oberhaupt des Staates und der oberste Befehlshaber der Streitkräfte. Seine Person ist unantastbar. Er wird bei der Formulierung und Durchsetzung der allgemeinen Staatspolitik von einem Ministerrat und speziellen Räten beraten. Auf die Aufgabenbereiche dieser Einrichtungen wird im Rahmen des Referats gleichfalls eingegangen. Sultan Qabus gelang es in seiner bislang 30-jährigen Regierungszeit dank der Einkünfte aus dem Erdölverkauf den einst so rückständigen Oman in ein modernes Land unter Wahrung der traditionellen Werte der Gesellschaft und Religion überzuführen.

Stand 11. Februar 2001