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Moderner Orient |
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Tarek Salloukh:
Fragestellung: Was sind die Schlüsselfaktoren, die Produktion und Rezeption des Theaters im Libanon kontrollieren? Was für eine Rolle spielt Konfessionalismus im Theater im Bezug auf die Beziehung zwischen Produzenten und Rezipienten? Wie sieht es aus in der Performance? Wie sind all diese Faktoren mit einander verbunden?
Stand 28. Februar 2001
Konfessionalismus im Libanesischen Theater. Produktions- und Rezeptionsanalysen
Hypothese: Konfessionalismus existiert in verschiedenen Formen und auf verschiedenen Ebenen in allen Prozessen, aus denen das Libanesische Theater besteht. Die in der Theaterwelt dominierende konfessionelle Identität determiniert die Beziehung zwischen Produzenten und Rezipienten. Theater im Libanon funktioniert als Reflexion der gesellschaftlichen Struktur. Ohne Konfessionalismus wäre die Umwelt des Theaters anders, und in der Konsequenz würde sich das gesamte Phänomen Theater verändern.
Methode und Ansatz: Bedeutung und Konzept des Theaters ändern sich von einem Gebiet zum anderen. Durch den Krieg wurde das Land geographisch und demografisch geteilt. Die Arbeit konzentriert sich aus der Perspektive der Rezeption auf die Änderungen dieser Bedeutung in Form und Inhalt nach geographischem Gebiet bzw. Publikum. Es bietet sich hier eine qualitative Feldforschung an, in der die direkten Daten aus Interviews mit den Akteuren des Phänomens Theater ausgewertet werden. Diese Methode verspricht mehr Erfolg als eine Analyse statistischer Daten, da diese aufgrund eines Vorentwurfs erhoben werden und daher a priori damit verbunden und begrenzt sind und der Vorentwurf so die Voreinstellung desjenigen reflektiert, der die Daten erhebt. Die Analyse der Daten wird mit Hilfe der "Grounded Theory" von Anselm Strauss, der Phänomenologie von Husserl, den Grundlagen der Verstehenden Soziologie, wie sie von Weber und Schütz erklärt wurden und dem Hermeneutischen Ansatz Soeffners durchgeführt. Aufgrund dieser Interviews kann die erlebte Erfahrung während der Performance rekonstruiert werden und die vorangehenden anderen Prozesse und Teilprozesse können erklärt werden. Die Funktion und Natur des Theaters zu erklären bleibt so den Akteuren überlassen.
Ergebnisse: Das Problem hat sich auf der Produktionsebene auf zwei Faktoren reduziert: Freiheit und finanziellen Spielraum. Auf der Rezeptionsebene waren Voreinstellungen des Publikums sowie die Beziehung zum Anderen und die Rekonstruktion dieses Anderen, ob von der eigenen Konfession oder von der anderen Konfession, im Spiel. Die Attitudes der Akteure im Hinblick auf Theater zu bestimmen hängt damit in hohem Maße von der ursprünglichen Einstellungen gegenüber dem Anderen ab. Theater gilt dann als Bühne der Selbsterfüllung auf der individuellen Ebene. Außerdem erfüllt es nach der Goffmann'schen Theorie eine Vertretungsfunktion für die konfessionellen Gemeinschaften. Libanesisches Theater ist damit eine soziale Aktion, die integraler Teil der gesamten gesellschaftlichen sozialen Aktion ist und nicht nur ein von der sozialen Umwelt isoliertes Phänomen mit begrenzter Außenwirkung.