![]() |
|
![]() |
|
|
|
|
|
Moderner Orient |
|
|
|
|
|
|
|
Anja Zorob:
Am 17. Juli 2000 wurde Dr. Bashar al-Asad als 16. Staatspräsident der Arabischen Republik Syrien
vereidigt, nachdem ihn die Bevölkerung eine Woche früher per Referendum mit 97,29% der Stimmen gewählt
hatte. Dem vorausgegangen war ein für nationale wie internationale Beobachter erstaunlich glatter
Machtübergang vom Vater auf den Sohn. Innerhalb weniger Stunden nach der öffentlichen Bekanntgabe vom
Tod Hafiz al-Asads setzte das syrische Parlament das verfassungsmäßige Mindestalter für das
Amt des Staatspräsidenten von 40 auf 34 Jahre herab und ebnete damit den Weg für die Führung
der Baath-Partei, den jungen al-Asad noch am selben Tag zum Kandidaten zu küren.
Stand 11. Februar 2001
Syrien nach dem Machtwechsel: Wirtschaftliche (und politische) Neuorientierung?
In seiner Rede zur Amtseinführung vor dem Parlament betonte der neue Staatspräsident u.a.
die Notwendigkeit, eine klare Strategie für die wirtschaftliche und soziale Entwicklung des Landes zu entwerfen. Die
wirtschaftliche Reformpolitik in der Zeit seines Vaters hätte einer solchen Strategie ermangelt, und sei daher
zum Teil für die zahlreichen Probleme verantwortlich zu machen, unter denen die syrische Ökonomie
heute leidet. Indes hat der wirtschaftliche Reformprozeß in Syrien bereits, seitdem die neue Regierung
unter Premierminister Miro im März 2000 ihre Arbeit aufnahm, deutlich an Fahrt gewonnen. Die Maßnahmen,
die bis Anfang 2001 auf den Weg gebracht wurden, umfassen einen großen Teil der Reformschritte, welche
Vertreter der syrischen business community, Ökonomen und reformfreudige Mitglieder der staatlichen
Administration seit dem Beginn der 90er Jahre forderten. Dazu zählen eine Anpassung des
Investitionsgesetzes Nr. 10 von 1991, die Zulassung privater Banken und der Aufbau eines Aktien- und Wertpapiermarkts.
Trotz dieser positiven Schritte scheint allerdings eine wirtschafts- und entwicklungspolitische Strategie,
wie von Bashar al-Asad für notwendig erklärt, oder gar die Verpflichtung auf umfassende marktwirtschaftliche
Reformen bislang nicht in Sicht. Statt dessen muß man davon ausgehen, daß sich Faktoren wie die
Stabilisierung der Macht des Präsidenten, die Stagnation im Nahost-Friedensprozeß und nicht zuletzt
die Möglichkeit zur Diversifizierung von Rentenzuflüssen, die in den bisherigen Reformphasen
Syriens eindeutig Priorität genoß, hemmend auf solche Maßnahmen auswirken werden, die über
den bislang verfolgten Ansatz einer graduellen und selektiven Reform hinausgehen. Was die politische Ebene
betrifft, so hat Bashar al-Asad in der kurzen Zeit seiner Regentschaft viele im In- und Ausland
positiv überrascht durch Maßnahmen wie die Freilassung 600 politischer Gefangener, dem
Erlaß einer Generalamnestie oder der Zulassung von Zeitungen anderer politischer Parteien. Daneben beginnt
sich ein vorher ungeahnt offener politischer Diskurs innerhalb der syrischen Gesellschaft zu entwickeln. In
seiner Rede zur Amtseinführung schloß der neue Staatspräsident allerdings eine
Demokratie "westlicher Prägung" aus. Syrien müsse eine eigene Art von Demokratie entwickeln, die
aufbaut auf seiner Geschichte, Kultur und Zivilisation.