DMG- XXVIII. Deutscher Orientalistentag, Bamberg, 26.-30.3.2001
 
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Abstracts / Zusammenfassungen der Vorträge
Zentralasien


Burchard Brentjes:
Narrative Holzpanele aus dem frühmittelalterlichen Mittelasien

Eine relativ wenig bekannte Zierform frühmittelalterlicher mittelasiatischer Architektur ist der Einsatz beschnitzter Holzplatten und Holzsäulen. Für den Raum der sogdischen Städte liegt eine Reihe von Belegen vor, die zumeist bei den Zerstörungen durch die einfallenden Muslime in den Schutt gerieten und vorwiegend in Fragmenten verkohlt erhalten blieben. Die Verwendung hölzerner Säulen blieb auch in islamischer Zeit in Gebrauch, während hölzerne Paneele im figurativen und ornamentalem Dekor bisher nur aus sogdischer Zeit bekannt sind. In entsprechender Form sind nur die Boiserien aus Pandschikent deutschsprachig publiziert (A.N. Belenizki, Mittelasien. Kunst der Sogden, Leipzig 1980), wohingegen die nicht weniger interessanten Platten und Plastiken aus Kalai Kachkacha, Otrar und anderen Fundorten mehr oder weniger unbekannt geblieben zu sein scheinen. Sie stammen überwiegend aus Palasträumen und dienten als Wandverschalung, zierten Türen und in wenigstens einem Fall einen Tympanon. Die Funde aus Padschikent kamen in Repräsentativräumen von Privathäusern zutage. Die in Arkaden oder in Schmuckstreifen eingefaßten Bildwerke scheinen in erster Linie sogdische Götter und Ahnen darzustellen. Der Tympanon ist vermutlich mit Szenen aus den Feridunepen versehen gewesen. In Otrar fanden sich erzählende Paneele mit 'lateinischen' und auch gleichschenkligen Kreuzen, die auf christliche Elemente hinweisen.

Stand 11. Februar 2001