![]() |
|
![]() |
|
|
|
|
|
Orientalische Kunstgeschichte |
|
|
|
|
|
|
|
Jorinde Ebert:
Durch die neue und hervorragende Rekonstruktion der "Höhle mit den ringtragenden Tauben" (H. 123) von Kizil in Kutscha als einem zentralen Kultkomplex der Turfansammlung ist diese ungewöhnliche Höhle wieder verstärkt ins Zentrum der Aufmerksamkeit einer breiteren Öffentlichkeit gerückt. Anlaß genug, sich noch einmal ganz neu mit ihrem bisher nur teilweise geklärtem ikonographischen Programm, und angesichts der neuen C-14 Datierungen, auch mit ihrer Einordnung in die Stilabfolgen Kutschas und Turfans auseinander zu setzen.
Stand 28. Februar 2001
Noch einmal die "Höhle mit den ringtragenden Tauben" von Kizil: Ihr ikonographisches Programm und ihre Datierung
Unabhängig von der natürlich immer wünschenswerten absoluten Datierung bleibt es, solange eine solche noch nicht als über jeden sinnvollen Zweifel erhaben gelten kann, wissenschaftlich fruchtbar, die stilistische Gesamtentwicklung einer Kunstprovinz im Auge zu behalten. Dies ist auch im Falle Kutschas und Turfans der Fall. Bisher sind die Stile der beiden Oasen fast immer als zwei streng getrennte behandelt worden, so als hätten sie miteinander nichts zu tun. In der Tat ist es aber so, daß der turfaner Frühstil dem kutschischen wichtige Anstöße verdankte, wie auch einer der kutschischen Frühstile, wie etwa der, welcher von der "Höhle mit dem Bodhisattvagewölbe" vertreten wird, ganz ohne Zweifel als ein über Turfan vermittelter Stil anzusprechen ist. Nicht anders verhält es sich mit dem kutschischen Spät- oder Exilstil in Kumtura, Karaschahr und Turfan, der ebenfalls ohne die Kenntnis Kiziler Vorformen nicht zu verstehen ist. Sowohl ikonographisch wie auch stilistisch läßt sich eine solche gegenseitige Einflußnahme unter den Oasen auch am Beispiel der Höhle 123 sehr gut aufzeigen. Erst durch diese zusammenhängende Betrachtung wird das zunächst als ungewöhnlich erscheinende ikonographische Programm der "Höhle mit den ringtragenden Tauben" als ein Gesamtphänomen der späteren Kunst Kutschas unter türkischer Herrschaft faßbar .Ein absolutes Datum dafür läßt sich noch nicht angeben. Man wird aber nicht fehlgehen, den Anfang der Entwicklung ans Ende des 8. oder an den Anfang des 9. Jhs. zu setzen.
Daß das manichäische Interregnum zwischen der Mitte des 9. bis zum Ende des 10. Jhs. dieser Ikonographie nichts anhaben konnte, beweist eine üppige Spätblüte desselben Programms, das sich noch bis in die spatbuddhistischen Kunst der Uiguren Turfans zwischen dem 11. und 13. Th. verfolgen läßt.