DMG- XXVIII. Deutscher Orientalistentag, Bamberg, 26.-30.3.2001
 
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Abstracts / Zusammenfassungen der Vorträge
Orientalische Kunstgeschichte

Max Klimburg:
Alte Moscheen und Grabmäler in Baltistan

Die Islamisierung von Baltistan, im NO von Pakistan gelegen und wegen seiner tibetisch sprechenden Bewohner auch als Klein-Tibet bekannt, hatte eine sufische Ausrichtung.
Der wichtigste Missionar, Sayyid Mir 'Ali Kabir al-Hamadani, der im 14. Jh. in Kashmir und vielleicht auch in Baltistan missionierte, war ein Anhänger der zentralasiatischen Kubrawiyya-Bewegung und damit ein Sufi, der besonders bei Handwerkern seine Anhänger fand. In den Jahren um 1500 gewann die mit der Kubrawiyya verwandte Sufi-Bruderschaft der Nurbakhshiyya in Kaschmir und Baltistan eine große Anhängerschaft, wurde aber in Kaschmir um die Mitte des 16. Jh. als unerwünschte Bruderschaft grausam verfolgt. Viele Familien, darunter vor allem eben auch Handwerkerfamilien, flohen damals nach Baltistan, wo sie in den verschiedenen lokalen Fürstentümern Schutz fanden. Neben dieser als schiitisch eingestuften Bruderschaft etablierte sich dann freilich immer dominierender die reguläre Zwölfer-Schia. Der kleine sunnitische Anteil hat sich in letzter Zeit vergrößert.
Die Nurbakhshi, die "von Licht Erfüllten", bemühten sich stets um einen ökumenischen Ausgleich zwischen Sunniten und Schiiten. Mit ihren großen Kloster-artigen Khanqas inmitten der Siedlungen und ihrem ausgeprägtem Heiligenkult haben sie sich einen religiösen Nimbus verschafft, der wohl auch zur Verteidigung gegen übermächtige Gesinnungsfeinde dient.
Von den alten Moscheen, Khanqahs und Grabmälern, überwiegend aus Holz bestehende Bauten, sowie den Palästen der lokalen Rajas ist viel erhalten geblieben, wenn auch z.T. bereits erneuert. Sie demonstrieren den großen Einfluß kaschmirischer und tibetischer Traditionen in Bau- und Schnitzkunst. Vor allem die Bauwerke auf zentralem Grundriß und mit hohen, mit Laternen bekrönten Aufbauten erinnern an buddhistische Architekturen, somit Stupas und Pagoden. Das schmückende Beiwerk besteht aus feinem Schnitzdekor und variantenreichen hölzernen Fenstergittern. Die z.T. bereits erneuerten oder sogar vergrößerten Khanqas bezeugen neue Bemühungen um Selbstfindung in der Sorge um Behauptung gegen starke neue schiitische und sunnitische Missionierungen. Der Agha Khan Trust for Culture restauriert zur Zeit einige der Bauwerke.

Stand 28. Februar 2001