DMG- XXVIII. Deutscher Orientalistentag, Bamberg, 26.-30.3.2001
 
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Abstracts / Zusammenfassungen der Vorträge
Turkologie / Osmanistik

Hendrik Boeschoten:
Neues zum Türk-Agämi

Mit (TA) wird ein wenig fokusiertes (standardisiertes) Stadium der West-Oguzischen Schriftsprache angedeutet, wie sie im Persischen Bereich vor allem in post-safawidischer Zeit eigenständig (d.h. unabhängig vom Osmanischen) entwickelte. Das TA ist bis aufheute wenig erforscht worden. Die Anzahl der bis jetzt bekannten Werke aus diesem Kulturkreis ist dazu gering (zuletzt ist erschienen: A History of Cathay, hrsg, von I. Beller-Hann, Bloomington 1995). In gewisser Hinsicht kann TA betrachtet werden als eine Art proto-Aserbaidschanisch. Andererseits findet sich in den Texten ein zumindest teilweise nicht-fixiertes Durcheinander von anatolischen und osttürkischen Charakteristiken, und zwar auf allen Ebenen der Sprachstruktur (Orthographie, Lautung, Morphologie, Lexik).
Die Hs. C245 der St. Petersburger Orientinstitutes enthält in erster Linie eine Fassung der Qisas-i Rabguzi. Anschließend finden sich eine Beschreibung der Endzeit (Ahval-i Qiyamat), und eine arabisch/türkische Hadis-Sammlung. Beide Zusätze sind von derselben Hand, wie die Qisas; in allen Fällen ist die Sprache tschagataisiertes Choresmtürkisch. Die letzten Seiten der Handschrift enthalten aber dazu noch ein Fragment (Umfang etwa 25 Seiten DIN A4) mit Alexander-Erzählungen von der Hand eines anderen Kopisten. Die ganze Handschrift läßt sich auf Grund eines Datums im Hadis-Material in die zweite Hälfte des 17. Jahrhunderts datieren. Dieses Fragment ist in einer Sprache verfaßt, die eindeutig als west-ogusisch einzustufen, aber in auffallender Weise von tschagataischen Elementen durchsetzt ist. Interessanterweise enthält der Text auch Glossen zur Erläuterung einiger Wörter; diese Glossen sind tatarisch gefärbt, was die Vermutung nahelegt, daß die Geschichten im kiptschakischen Sprachbereich abgeschrieben worden sind.
Im Vortrag sollen u.a. die folgenden Fragen erörtert werden:

  1. Wie soll man sich das Zustandekommen eines solchen gemischt-schriftsprachigen Textes überhaupt vorstellen? Ist es ein ursprünglich mehr oder wenig reiner west-ogusischer, der beim Abschreiben teilweise tschagataisiert wurde? Das Gegenteil: die Möglichkeit, es mit einem angepaßten ursprünglich ost-türkischen Text zu tun zu haben, erscheint weniger wahrscheinlich. Oder ist es wirklich eine Charakteristik des Türk-Agämi, daß schon bei der Erstellung der Texte aus beiden Schrifttraditionen geschöpft wird?
  2. Wie verhält sich die Sprache des Textes mit modernen aserbaidschanischen Varietäten?
  3. Es liegt auf der Hand, daß wir es mit der Übersetzung einer persischen Vorlage zu tun haben, die ich noch nicht festgestellt habe. Kann ermittelt werden unter welchen Umständen eine solche Übersetzung zustande kam, und wodurch sie motiviert wurde?

Stand 28. Februar 2001