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Turkologie / Osmanistik |
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Christoph K. Neumann:
Die Kadiamtsprotokollbücher der südwestmakedonischen Stadt Karaferye (heute griech. Veroia) sind eine wichtige Quelle zur Geschichte des osmanischen Europas, weil ein solches Quellenkorpus sich dort nur in ganz seltenen Fällen erhalten hat. Entsprechend haben diese Quellen in den letzten Jahren vermehrt die Aufmerksamkeit der Forschung gefunden.
Stand 26. Februar 2001
Bücher in Karaferye
Nur selten wurden Kadiamtsregister zu geistesgeschichtlichen Fragestellungen herangezogen. Tatsächlich enthalten sie aber Informationen, die in dieser Richtung verwertbar sind. So bieten sie Material zur Frage, wer im Osmanischen Reich Zugang zu welcher Art von Wissen besessen hat. Schließlich werden in den Nachlaßregistern, bei denen es sich um einen wichtigen Bestandteil der Kadiamtsprotokollbücher handelt, Bücher nach Titel detailliert (und in der Regel als erste Kategorie von Gütern) aufgeführt.
Dieser Vortrag behandelt nun zwei Bücherlisten, die Teile von Nachlaßregistern aus diesem Quellenbestand sind. Es handelt sich um ungewöhnlich reiche Bibliotheken: 113 Bände aus dem Besitz des Muftis Salih Efendi, der 1746 verstarb, und 127 Bände aus dem Nüvis Efendis, dessen Nachlaß 1771 aufgenommen wurde. Beide Männer waren einheimische ulema, die in der Gesellschaft der Stadt fest verwurzelt waren. Trotzdem gehörten Titel aus der Istanbuler Druckerei Ibrahim Müteferrikas zum Besitz beider Männer. Sie waren also nicht auf die Produktion einheimischer Kopisten angewiesen. Allerdings gibt es auch auffällige Übereinstimmungen zwischen den Bibliotheken, die vermuten lassen, daß einige Bücher Salih Efendis entweder direkt oder über eine weitere Kopie ihren Weg in die Sammlung Nüvis Efendis gefunden haben.
Die meisten der Titel im Besitz der beiden ulema gehören zum Standardbestand osmanischen Wissens: oft handelt es sich um arabischsprachige Werke zum fikh, allerdings auch zum kelām. Dennoch ist es möglich, individuellere Interessen zu identifizieren. Wenn man die beiden Männer als Leser ernst nimmt, wird es so möglich, etwas über den geistigen Horizont provinzieller Gelehrter des 18. Jahrhunderts zu sagen.
Auffällig ist, daß Bücher nicht ausgesprochen teuer waren. Jedenfalls lagen ihre Preise, vergleicht man sie mit denen anderer Güter, verhältnismäßig niedriger als im Edirne des 16. Jahrhunderts. Gedruckte Werke wurden dabei 1746 tatsächlich relativ billig veranschlagt, während 1771 ein Vankuli Lügati zu den teuersten Stücken der Sammlung gehörte. Es wird nachzuprüfen sein, welche Elemente für die Höhe eines Buchpreises bestimmend waren.
Der Vortrag ist damit auch als ein kleiner Beitrag zur Geschichte osmanischer Medien und osmanischen Wissens aufzufassen.