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der fächerübergreifenden Panels |
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die Koordinatoren des Orientalistentages |
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Ralf Elger (ralfelger@yahoo.com):
Der Vordere Orient im 17. Jahrhundert: Arabische, türkische und persische Texte aus einer vernachlässigten EpocheBewusst wird darauf verzichtet, das Thema des Panels durch eine Fokussierung auf ein bestimmtes theoretisches Konzept zu begrenzen. Vielmehr soll es ein Forum sein, auf dem die Teilnehmenden ihre Forschungen über bislang weitgehend unbeachtete Texte vorstellen können, egal welche Erkenntnisinteressen sie verfolgen. Das Treffen dient dazu, die relativ wenigen über das 17. Jahrhundert Forschenden einmal zusammenzubringen und gemeinsame Projekte für die Zukunft anzuregen.
V O R T R Ä G E I N D E M P A N E L:
Lutz Berger: Recht, Medizin, Politik: Streitschriften zum Tabakkonsum im 17. Jh.
Die rechtliche Bewertung des Tabakkonsums gehört zu den großen Streitfragen des islamischen 11./17. Jahrhunderts. Anhand zweier einschlägiger Schriften Laqanis und Nabulusis sollen einige Dimensionen des Problems ausgeleuchtet werden: 1) Was wussten, bzw. glaubten die Autoren über den Ursprung der Pflanze und ihre Wirkungen? Wie gut war mithin die Kenntnis arabischer Rechtsgelehrter der Zeit von der Neuen Welt, und wie stand es um ihre medizinisch naturwissenschaftliche Bildung? 2) Welche juristischen Argumente wurden von Gegnern wie Befürwortern ins Feld geführt? In diesem Zusammenhang ist insbesondere die Frage der Einschätzung neuen und zudem noch fremden Kulturguts durch die Autoren interessant, zum anderen die Bewertung der rechtlichen Bindewirkung obrigkeitlicher Entscheidungen, wie sie ja in Bezug auf den Tabak immer wieder ergangen sind.Ralf Elger: Hafiz ad-Din al-Qudsis (st. 1055/1645-6) Bericht über seine Reise nach Istanbul und die Gattung der arabischen Rihla im Maschrek des 17. Jahrhunderts
Wie etliche andere Gelehrte aus den arabischen Provinzen des osmanischen Reiches vor ihm und nach ihm unternahm der Jerusalemer alim und adib Hafiz ad-Din eine Reise nach Istanbul, um dadurch einen Posten im Rechtswesen zu erlangen. Von Jerusalem begab er sich über den Umweg nach Kairo in die osmanische Hauptstadt. Einigen Vorbildern aus dem 16. Jahrhundert folgend (u.a. Badr ad-Din al-Ghazzi, Muhibb ad-Din al-Hamawi) beschrieb er diese Reise in einem ausführlichen Bericht. Der bisher nicht edierte Text mit dem Titel "Isfar al-asfar wa-ibkar al-afkar" steht im Mittelpunkt des Vortrages. Es wird gezeigt, dass er neben der "Stellungssuche" des Hafiz ad-Din eine Reihe weiterer Themen behandelt. Er trägt in großen Teilen den Charakter einer adab-Anthologie, welche etliche Gegenstände scheinbar ohne Verbindung nebeneinander stellt, die Unzuverlässigkeit falscher Freunde, den Reiz verschiedener Blumenarten, die Schrecken einer Seereise ebenso wie die Vorzüge schöner Knaben. Durch kurze Betrachtungen weiterer Reiseberichte aus dem Maschrek des 17. Jahrhunderts wird deutlich gemacht, dass die thematische Vielfalt ein Charakteristikum nicht nur der Istanbul-Rihlas darstellt - neben al-Qudsis Text kann man z.B. Ibrahim b. Abd ar-Rahman al-Khiyaris (st. 1083/1672) "Tuhfat al-udaba wa-silwat al-ghuraba " nennen -, sondern einen großen Teil der Reiseliteratur dieser Zeit überhaupt auszeichnet. Es findet sich z.B. in der für die Gattung recht einflussreichen "Rihlat ash-Shita wa-s-Saif" des Muhammad b. Abd Allah Kibrit (st. 1070/1659). Bis auf wenige, allerdings wichtige, Ausnahmen wurde der Genre der Rihla im 17. Jahrhundert vorwiegend von literati (udaba), bzw. von Gelehrten, die sich auch oder vor allem als udaba verstanden, gepflegt, ja es dürfte neben der Poesie das bevorzugte Medium ihrer schriftstellerischen Produktion gewesen sein. Die Funktion dieser Texte lag nicht in einer geographischen oder historischen Unterrichtung der Rezipienten, sondern diente der Befriedigung ästhetischer Bedürfnisse und der Erbauung. Wichtig war dabei, dass die einzelnen Autoren innerhalb der beschriebenen Gemeinsamkeiten jeweils verschiedene literarische Wege gingen und dadurch ihre Eigenständigkeit als Schriftsteller zu dokumentieren trachteten.Patrick Franke: Mulla Ali al-Qari und seine Schriften gegen Ibn Arabi
Obwohl Mulla Ali b. Sultan Muhammad al-Qari (st. 1014/1606) zu den bedeutendsten und meistgelesenen Autoren seiner Zeit gehörte, ist er in der Islamwissenschaft bislang kaum beachtet worden. Zu seinen ca. 180 Schriften gehören ein dreibändiger Korankommentar, Glossen zu zahlreichen Werken der Traditions- und Rechtswissenschaft, aber auch Abhandlungen zu Spezialthemen wie Katzenliebe, Neujahrsbrauchtum und Wallfahrtsriten. Ausgiebig widmete sich dieser Gelehrte auch dem Problem des "Rechtsschulenfanatismus" (taassub madhabi), der in seiner Zeit besonders krasse Formen annahm. Im Zentrum des Vortrags sollen allerdings al-Qaris Schriften gegen Ibn Arabi stehen, in denen er sich mit dessen wahdat al-wugud-Lehre auseinandersetzt.Sabine Schmidtke: Die ijaza des Abdallah Salih as-Samahigi (st. 1135/1722) für Nasir al- Garudi al-Qatifi. Eine Quelle für zwölferschiitische Gelehrtenkultur in Bahrain
Über die Wege und Methoden der Wissensvermittlung im islamischen Raum geben zahlreiche Typen von Testimonien Auskunft, die entweder in Verbindung mit konkreten Texten und dementsprechend am Anfang und am Ende von Handschriften zu finden sind (Hörervermerke, Lesevermerke, Kollationsvermerke etc. ) oder auch textunabhängig sind (fahrasa, masyaha, thabt). Einer der facettenreichsten Typen ist die igaza, die "Erlaubnis zur Überlieferung", die sich von einer ursprünglich zunächst vor allem mündlich erteilten Erlaubnis zur Weiterübermittlung von Wissen im Zuge der wachsenden Strukturierung der Gelehrtenkultur verschriftlicht und strukturell wie terminologisch formalisiert zu haben scheint. Neben die textgebundenen, in der Regel für spezifische Werke ausgestellte igazat, treten textunabhängige igazat. Aufgrund ihres meist großen Umfangs stellen derlei textungebundene Dokumente häufig in sich selbst eigenständige Texte dar, häufig in Form eigener Bücher. Vorgestellt wird eine igaza aus dem Bereich der Zwölferschia, ausgestellt von Abdallah b. Salih as-Samahigi (st. 1135/1723) für Nasir al-Garudi al-Qatifi (st. 1164/1750-51), zwei Gelehrte aus Bahrain, die dem Typus der textunabhängigen eigenständigen igaza zuzurechnen ist und deren matn sich auf die gesamte zwölferschiitische Gelehrtenkultur und deren Schrifttum erstreckt. Mittels einer Analyse von Aufbau, Elementen und terminologischen Eigenheiten soll aufgezeigt werden, das eine der Hauptfunktionen der igaza darin besteht, die gesamte zwölferschiitische Gelehrtenkultur in Vergangenheit und Gegenwart zu dokumentieren. Damit steht die igaza durchaus in der Tradition vergleichbarer ausführlicher Dokumente, bei denen es häufig zu regelrecht in Verwischungen der Grenze zur Biographik kommt. Ferner soll der besondere Wert der igaza für eine Rekonstruktion der zwölferschiitischen Gelehrtenkultur insbesondere im 11./17. Jhdt. herausgestellt werden