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Sinologie |
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die Koordinatoren des Orientalistentages |
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Klaus Flessel (kflessel@phil.uni-erlangen.de) / Raimund Kolb (raimund.kolb@mail.uni-wuerzburg.de):
Mareile Flitsch: 'Ein heißer kang schafft ein warmes Zimmer': Zur Ethnographie einer Selbstverständlichkeit im Alltag der
Manjurei
Klaus Flessel: Tätowierungen im traditionellen China
Gerlinde Gilt: Das chinesische nuo in Geschichte und Gegenwart
Andreas Janousch: Staats- und volksreligiöse Kulte im Salzsee von Xiezhou in Hedong vom 8.
bis zum 19. Jahrhundert
Raimund Kolb: Der 'Große Korb' und die 'Zwei Truhen': Beispiele zur Organisation des Bettels im
China des frühen 20. Jahrhundert
Erling von Mende: Reisen in Nordchina im 14. Jahrhundert
Hans-Ulrich Vogel: Salz, Heilige und Götter: Wirtschaft, Gesellschaft und Religion im vormodernen China
Historische Volkskultur (popular culture) Chinas
V O R T R Ä G E I N D E M P A N E L:
'Ein heißer Kaffee schafft ein warmes Zimmer' heißt es in einem Sprichwort. Die beheizte
Wohnplattform kang ist in den kalten Klimaregionen Nord- und Nordostchinas das Zentrum des
bäuerlichen Alltags. In seinen Besonderheiten - wie Südlage, Ofenkonstruktion, Art der Beheizung,
Funktion einer erhöhten Fußbodenfläche und Notwendigkeit einer regelmäßigen Erneuerung - ist der
kang vielseitig in die bäuerliche Lebensweise und Arbeitswelt integriert. Der Vortrag führt, am Beispiel
der Nutzung des kang, die Dringlichkeit der Beschäftigung mit der materiellen Alltagskultur in China vor.
Das gern mit fremden Ethnien in der Peripherie Chinas assoziierte Phänomen der Tätowierung gab es zu
allen Zeiten auch in der Han-Bevölkerung, jedoch fast ausschließlich in den unteren Schichten. Die
Gründe für das Ritzen und Stechen der bleibenden Male, die im Vortrag angesprochen werden sollen, waren
äußerst heterogen. Sie reichten von behördlich verfügten Straftätowierungen für Kriminelle
und Markierungstätowierungen beim Militär bis hin zu selbst veranlaßten Hautstichen, die u.a.
apotropäisch bzw. religiös motiviert waren, als Verschönerung des Körpers angesehen wurden,
Gruppenzugehörigkeit signalisierten oder Dritten eine besondere individuelle Verwegenheit auch optisch verdeutlichen
sollten.
Trotz zahlreicher Anti-Aberglauben-Kampagnene und trotz intensiver Anstrengungen lokaler Führungskader hat
sich der vielfach gewandelte und sehr alte Brauch des nuo bis zum heutigen Tag in China erhalten. Das
Phänomen, dem man mit der Übersetzung "Dämonenaustreibung" oder "Vertreibung von Pestilenzgeistern" nur
unzureichend gerecht wird, soll sowohl in seiner historischen Dimension beleuchtet als auch beispielhaft in seiner
noch heute in bestimmten Gebieten der Provinzen Anhui und Qinghai anzutreffenden Ausformung untersucht werden.
Anhand einer vertieften Fallstudie über die bedeutenden Kulte am Salzsee von Xiezhou werden die Interaktionsfelder
zwischen Religion und Staat, Religion und Wirtschaft, Religion und Gesellschaft, Religion und Produktionstechniken
sowie Volksreligion und Staatskult erörtert. Die besondere Stellung des Tempels des Salzsee-Gottes im Vergleich zu
Salzkulten in anderen Teilen Chinas wird dadurch verdeutlicht.
Seit der späten Kaiserzeit repräsentierte die Bettlerschaft in Chinas Städten einen differenzierten
Stand von Armen und Bedürftigen, der weitgehend in "Gilden" organisiert war. Die auf Profitmaximierung zielende
Herrschaft der behördlich geduldeten oder gar bestellten Bettlervögte, der Anführer der "Gilden",
zeitigte eine straffe hierarchische Administration und eine erstaunliche Vielfalt an spezialisierten Heischtechniken.
Diese und andere Aspekte des Bettels, aber auch Bezüge zur bis heute ungebrochenen Tradition, werden am Beispiel
zweier prominenter historischer Bettler-"Gilden" aus der Provinz Jilin exemplifiziert.
Basierend auf dem Laojida (ca. 1324) und unterstützt von weiteren zeitgenössischen Reseberichten werden
die Beschwerden und Annehmlichkeiten einer weiten Reise vom Yalu-Fluß in der heutigen Provinz Liaoning über Peking
in die Provinz Shandong geschildert. Die Texte gestatten einen genaueren Blick auf den Alltag eines Reisenden in
jener Zeit zu werfen, z.B. auf die Möglichkeiten der Unterbringung und Verköstigung, die aufzuwendenden
Mittel, die Organisation der Fortbewegung und nicht zuletzt die Friktionen, mit denen zu rechnen war.
Der Vortrag wird einen Überblick über die vorwiegend lokalen Kulte von Salzheiligen und Salzgöttern
an den Salineorten des traditionellen China geben. Dabei sollen die Bezüge zwischen den einzelnen Kulten
sowie die wirtschaftlichen, gesellschaftlichen und technischen Verhältnisse aufgezeigt werden.