DMG- XXVIII. Deutscher Orientalistentag, Bamberg, 26.-30.3.2001
 
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Abstracts / Zusammenfassungen der Panels
Sinologie
die Koordinatoren des Orientalistentages
Stand 26. November 2000

Klaus Flessel (kflessel@phil.uni-erlangen.de) / Raimund Kolb (raimund.kolb@mail.uni-wuerzburg.de):
Historische Volkskultur (popular culture) Chinas



V O R T R Ä G E   I N   D E M   P A N E L:

Mareile Flitsch: 'Ein heißer kang schafft ein warmes Zimmer': Zur Ethnographie einer Selbstverständlichkeit im Alltag der Manjurei
'Ein heißer Kaffee schafft ein warmes Zimmer' heißt es in einem Sprichwort. Die beheizte Wohnplattform kang ist in den kalten Klimaregionen Nord- und Nordostchinas das Zentrum des bäuerlichen Alltags. In seinen Besonderheiten - wie Südlage, Ofenkonstruktion, Art der Beheizung, Funktion einer erhöhten Fußbodenfläche und Notwendigkeit einer regelmäßigen Erneuerung - ist der kang vielseitig in die bäuerliche Lebensweise und Arbeitswelt integriert. Der Vortrag führt, am Beispiel der Nutzung des kang, die Dringlichkeit der Beschäftigung mit der materiellen Alltagskultur in China vor.

Klaus Flessel: Tätowierungen im traditionellen China
Das gern mit fremden Ethnien in der Peripherie Chinas assoziierte Phänomen der Tätowierung gab es zu allen Zeiten auch in der Han-Bevölkerung, jedoch fast ausschließlich in den unteren Schichten. Die Gründe für das Ritzen und Stechen der bleibenden Male, die im Vortrag angesprochen werden sollen, waren äußerst heterogen. Sie reichten von behördlich verfügten Straftätowierungen für Kriminelle und Markierungstätowierungen beim Militär bis hin zu selbst veranlaßten Hautstichen, die u.a. apotropäisch bzw. religiös motiviert waren, als Verschönerung des Körpers angesehen wurden, Gruppenzugehörigkeit signalisierten oder Dritten eine besondere individuelle Verwegenheit auch optisch verdeutlichen sollten.

Gerlinde Gilt: Das chinesische nuo in Geschichte und Gegenwart
Trotz zahlreicher Anti-Aberglauben-Kampagnene und trotz intensiver Anstrengungen lokaler Führungskader hat sich der vielfach gewandelte und sehr alte Brauch des nuo bis zum heutigen Tag in China erhalten. Das Phänomen, dem man mit der Übersetzung "Dämonenaustreibung" oder "Vertreibung von Pestilenzgeistern" nur unzureichend gerecht wird, soll sowohl in seiner historischen Dimension beleuchtet als auch beispielhaft in seiner noch heute in bestimmten Gebieten der Provinzen Anhui und Qinghai anzutreffenden Ausformung untersucht werden.

Andreas Janousch: Staats- und volksreligiöse Kulte im Salzsee von Xiezhou in Hedong vom 8. bis zum 19. Jahrhundert
Anhand einer vertieften Fallstudie über die bedeutenden Kulte am Salzsee von Xiezhou werden die Interaktionsfelder zwischen Religion und Staat, Religion und Wirtschaft, Religion und Gesellschaft, Religion und Produktionstechniken sowie Volksreligion und Staatskult erörtert. Die besondere Stellung des Tempels des Salzsee-Gottes im Vergleich zu Salzkulten in anderen Teilen Chinas wird dadurch verdeutlicht.

Raimund Kolb: Der 'Große Korb' und die 'Zwei Truhen': Beispiele zur Organisation des Bettels im China des frühen 20. Jahrhundert
Seit der späten Kaiserzeit repräsentierte die Bettlerschaft in Chinas Städten einen differenzierten Stand von Armen und Bedürftigen, der weitgehend in "Gilden" organisiert war. Die auf Profitmaximierung zielende Herrschaft der behördlich geduldeten oder gar bestellten Bettlervögte, der Anführer der "Gilden", zeitigte eine straffe hierarchische Administration und eine erstaunliche Vielfalt an spezialisierten Heischtechniken. Diese und andere Aspekte des Bettels, aber auch Bezüge zur bis heute ungebrochenen Tradition, werden am Beispiel zweier prominenter historischer Bettler-"Gilden" aus der Provinz Jilin exemplifiziert.

Erling von Mende: Reisen in Nordchina im 14. Jahrhundert
Basierend auf dem Laojida (ca. 1324) und unterstützt von weiteren zeitgenössischen Reseberichten werden die Beschwerden und Annehmlichkeiten einer weiten Reise vom Yalu-Fluß in der heutigen Provinz Liaoning über Peking in die Provinz Shandong geschildert. Die Texte gestatten einen genaueren Blick auf den Alltag eines Reisenden in jener Zeit zu werfen, z.B. auf die Möglichkeiten der Unterbringung und Verköstigung, die aufzuwendenden Mittel, die Organisation der Fortbewegung und nicht zuletzt die Friktionen, mit denen zu rechnen war.

Hans-Ulrich Vogel: Salz, Heilige und Götter: Wirtschaft, Gesellschaft und Religion im vormodernen China
Der Vortrag wird einen Überblick über die vorwiegend lokalen Kulte von Salzheiligen und Salzgöttern an den Salineorten des traditionellen China geben. Dabei sollen die Bezüge zwischen den einzelnen Kulten sowie die wirtschaftlichen, gesellschaftlichen und technischen Verhältnisse aufgezeigt werden.