DMG- XXVIII. Deutscher Orientalistentag, Bamberg, 26.-30.3.2001
 
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Abstracts / Zusammenfassungen der Panels
Sinologie
die Koordinatoren des Orientalistentages
Stand 11. Februar 2001

Ralph Kauz (Rkauz@compuserve.com):
China und Westasien nach der Mongolenherrschaft - eine asiatische Perspektive?

Im späten Mittelalter war es zumindest nach vorläufiger Betrachtung noch keineswegs ausgemacht, daß Europa die künftige Führungsrolle übernehmen würde. In Asien hatten sich in dieser Zeit Reiche herausgebildet (z.B. Mingdynastie in China, Timuriden), die zumindest auf gleicher Entwicklungsstufe wie Europa standen, wenn nicht sogar auf höherer. Zwischen diesen Reichen fand auch nach dem Zusammenbruch des Großreichs der Mongolen eine weitgehende Kommunikation auf politischer, kommerzieller und kultureller Ebene statt, deren Grenzen annähernd mit denen des ehemaligen mongolischen Reichs zusammenfielen, nun aber von selbständigen Staatsgebilden getragen wurden. Die politische Kommunikation, die wesentlich auf die Initiative des ersten und des dritten Mingkaisers zurückging, brach allerdings im Laufe des 15. Jahrhunderts zusammen. Obwohl der Handelsaustausch und auch kulturelle Kontakte noch lange Zeit andauerten, bildete sich deshalb keine große Teile Asiens umfassende Verbindung der einzelnen Reiche heraus, die eine Entwicklung hätten beginnen können, die in Konkurrenz zur gleichzeitig anlaufenden europäischen getreten wäre.
Diese hypothetische Problemstellung wird an einzelnen Beispielen dargelegt: Morris Rossabi zeigt, daß die Informationen, die das China der Mingzeit über Iran - speziell über die Städte Isfahan und Schiraz - hatte, weiter gingen, als bisher angenommen wurde. Die Mingdynastie setzte am Anfang des 15. Jahrhunderts mit ihren großen Seeexpeditionen neue Maßstäbe im Überseehandel im Indischen Ozean, aber auch bei den politischen Beziehungen zwischen China und den anderen Anrainerstaaten. Roderich Ptak erläutert diese chinesische Politik am Beispiel des damaligen Handelsimperiums Hormuz im Persischen Golf. Von Timur schließlich ging der einzige große Konflikt zwischen China und dem Timuridenreich aus. Ralph Kauz hinterfragt in seinem Vortrag die Erfolgsaussichten des letzten Feldzugs Timurs, der die Eroberung oder auch nur die Plünderung Chinas zum Ziel hatte. Barbara Stöcker zeigt anhand der ersten chinesischen islamischen Schriften, daß mit dem weiteren Vordringen des Islams in China im 17. und 18. Jahrhundert die Kontakte zwischen West und Ost nunmehr fast ausschließlich kultureller Art waren.