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Sinologie |
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die Koordinatoren des Orientalistentages |
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Annette Kieser (kieser.tatje@t-online.de) / Monique Nagel-Angermann (nagelm@uni-muenster.de):
Mit dem endgültigen Niedergang der Han-Herrschaft im Jahre 220 begann in China eine Phase der politischen und gesellschaftlichen Instabilität. Eine Vielzahl zumeist kleiner und kurzlebiger Staaten unter chinesischer oder auch fremder Herrschaft konkurrierte um die Macht. Häufig waren kriegerische Auseinandersetzungen die Folge. Der Verlust von Familienangehörigen und oft auch der Heimat mag dazu beigetragen haben, daß nun neben dem seit der Han-Zeit dominierenden konfuzianischen und daoistischen Gedankengut verstärkt der Buddhismus als eine dritte Kraft hinzutrat. Immerhin vermag die buddhistische Lehre das Leiden im Diesseits für alle Menschen als notwendig und daher sinnvoll zu erklären.
Vorbilder zwischen Han und Tang
Es stellt sich die Frage, ob unter diesen veränderten Bedingungen, andere Wege gesucht wurden, Herrschaft zu legitimieren. Wie kam die Elite der jeweiligen Staaten mit den Veränderungen zurecht?
Das panel strebt nicht an, einen umfassenden Überblick über diese Problematik zu liefern, vielmehr will es mit der Frage nach "Vorbildern zwischen Han und Tang" dazu anregen, sich mit diesem Komplex zu befassen. Zu diesem Zweck sollen in exemplarischer Weise Beiträge geliefert werden, die unter Verwendung historischer, literarischer, archäologischer und religiöser Quellen Vorbilder und ihre Nutzung aufzeigen.
Zu Beginn des panels wirft Monique Nagel-Angermann die Frage nach dem wahren Herrscher und seinem Minister auf. Dabei handelt es sich um ein altes Thema, welches von Huangfu Mi (215-282) indirekt in seinen Schriften thematisiert wird. Vor die Frage gestellt, ob er bereit sei, ein Amt unter der neuen Regierung der Westlichen Jin (265-316) zu übernehmen, hat er seine Ablehnung zu begründen. Zu diesem Zwecke bedient er sich zahlreicher Vorbilder aus der Geschichte.
Im Zentrum des Vortrags von Annette Kieser steht Liang Wudi (reg. 502-549), der, wie aus schriftlichen Quellen bekannt, religiös wie politisch dem indischen Herrscher Ashoka nacheiferte. In ihrem Vortrag wird verdeutlicht, daß sich die Anlehnung an dieses Vorbild auch im archäologischen Bereich, dem Friedhof für seine Brüder, nachweisen läßt.
Shing Müller zeigt, wie im Bereich der Grabgestaltung konzeptionell auf buddhistische Vorbilder zurückgegriffen wurde. Sie präsentiert den 484 fertiggestellten Yongguling, den Grabbezirk der Kaiserinmutter Wenming der Beiwei-Zeit, die erste freigelegte Anlage, die eine Kombination von Grab und buddhistischer Gedenkstätte aufzeigt.
Jörg Plassen schließlich sucht innerhalb der buddhistischen Tradition nach Vorbildern und stellt den Koguryō-Mönch Sūngnang (5. - 6. Jh.) vor. Dieser nimmt eine hervorragende Stellung innerhalb der von Jizang (549-623) konstruierten Traditionslinie des Sanlun-Buddhismus ein und wird noch heute als Neubegründer des Sanlun betrachtet.