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Sinologie |
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die Koordinatoren des Orientalistentages |
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Hans Kühner (hans.kuehner@rz.hu-berlin.de):
Raoul Findeisen:
Hans Kühner: Die Entstehungsbedingungen des Romans Lin nü yu und die literarische Sphäre
in Shanghai 1903
Christina Neder: Verlage als Wegbereiter einer neuen Literatur - Die Commercial Press, Shanghai,
zu Beginn des 20. Jahrhunderts
Clemens Treter: Erzählen für den Zeitvertreib und das Vergnügen - Anmerkungen zum Nachdenken über
Erzählliteratur im China des frühen 20.
Jahrhunderts
Literaten zwischen Kunst, Markt und Moral. Aspekte der Konstituierung einer literarischen Sphäre
im frühen 20. Jahrhundert
V O R T R Ä G E I N D E M P A N E L:
Zeitungsbeilagen (fukan): Zwischen Versorgungsanstalt und literarischer
Spielwiese
In der nicht nur durch neue Ideen, sondern durch neue Drucktechniken und Vertriebswege aufgewühlten Verlagslandschaft stellen die "Beilagen" (fukan, also "beigedruckt") eine besonders verbreitete Publikationsform dar. Die Beilagen sind auch quantitativ von einiger Bedeutung: Rund 3.200 für den Erscheinungszeitraum 1898-1949 nachgewiesenen Tageszeitungen stehen weit über 7.500 Beilagen gegenüber. Ihre je spezialisierten Themen decken von der Chemie und Atomphysik über die Lokaloper bis zur Fernmeldetechnik fast alle Wissensbereiche ab und boten Lesestoff für eine rapide anwachsende Bildungsschicht. Weit über 1.200 von diesen 7.500 fukan wiederum haben literarische Themen zum Gegenstand. Erfolgreiche Tageszeitungen hatten bis 1927 genügend Spielraum, um für erfolgreiche oder erfolgversprechende Repräsentanten der Neuen Literatur einen weitgehend interventionsfreien Raum zu schaffen. Als Fallbeispiel soll die Chenbao fukan 1921 - 1928 (zuerst fujuan) untersucht werden, und zwar unter mehreren soziologisch geprägten Aspekten:
Gegen Ende des 19. und in den ersten Jahren des 20. Jahrhunderts entstand in den chinesischen Küstenstädten eine neuartige literarische Sphäre, die u.a. geprägt war von einer erheblich gewachsenen Population von gebildeten, aber im traditionellen bürokratischen System chancenlosen jungen Leuten, aus der sich sowohl die Leser als auch die Produzenten der neuen Literatur rekrutierten. Die neuen Medien (Zeitungen, Zeitschriften und Verlage) boten Möglichkeiten zur Publikation von lit. Texten und Chancen auf Posten als Redakteure oder Herausgeber. So etablierte sich eine in ihrem Lebensstil mit der Boheme des europäischen 19. Jahrhunderts vergleichbare Gesellschaft von Literaten, die "hybride" Karrieren als Schriftsteller, Journalisten und politische Propagandisten verfolgten. Im Zentrum meines Beitrags stehen Ereignisse aus dem Leben des Schriftstellers Lian Mengqing (Autor des Romans Lin nü yu) im Jahr 1903. An einem Beispiel soll so die "Produktionsweise" literarischer Texte verdeutlicht werden, wobei auch ein Bild der Gesellschaft der Literaten, ihres Lebensstils und ihrer Interaktion mit den neuen literarischen und journalistischen Institutionen vermittelt wird.
Die im Jahre 1987 in Shanghai gegründete Commercial Press steht wie kein anderer Verlag für das moderne chinesische Publikationswesen des 20. Jahrhunderts. Verlegerpersönlichkeiten zwischen Business und Gelehrtentum, die in engem Kontakt zu den wichtigsten Literaten der Zeit standen, prägten ein Verlagsprogramm, dessen Spektrum von didaktisch neu konzipierten Schulbüchern in Millionenauflage bis zu qualitativ hochwertigen Reprints von Klassikern, von Übersetzungen bis zu modernen Nachschlagewerken und einflußreichen Zeitschriften reichte. Vor diesem Hintergrund untersucht der Beitrag die Bedeutung des Verlags für die literarhistorische Entwicklung Chinas am Anfang des 20. Jahrhunderts.
Für das Verständnis des literarischen Feldes im China des frühen 20. Jahrhunderts von Interesse ist die lebhafte Debatte, die seit dem Ende der neunziger Jahre des 19. Jahrhunderts um die Bedeutung und die Ästhetik der Erzählliteratur geführt wurde. Während einige der Standpunkte innerhalb dieser Diskussion bereits ausgiebig untersucht wurden (z.B. die Haltung Liang Qichaos), sind andere bis heute nahezu unberücksichtigt geblieben. Zu nennen wäre hier etwa die Haltung derjenigen Autoren, die der "Mandarinenten- und Schmetterlingsliteratur" zugeordnet werden. Unter ihnen finden sich die einzigen Stimmen, die selbstbewußt die Unterhaltungsfunktion als eine der spezifischen Qualitäten von Erzählliteratur herausstellten. Vergnügen (youxi) und Zeitvertreib (xiaoxian) sind zentrale Begriffe in vielen ihrer Beiträge. In einigen Texten wird zudem auf ironische Weise ein Spiel mit den traditionellen Formen schriftsprachlicher Prosa getrieben. Sie verdeutlichen einmal mehr die eigentümliche, von einer Vermischung der unterschiedlichsten Stile und Positionen gekennzeichnete kulturelle Atmosphäre im China des frühen zwanzigsten Jahrhunderts.