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die Koordinatoren des Orientalistentages |
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Das Panel ist begleitend zur Ausstellung konzipiert, die in getrennten Abschnitten regional und sprachlich unterschiedliche Aspekte der frühen Druckgeschichte in den Ländern des Vorderen Orient dokumentieren wird. Die einzelnen Vorträge sollen dabei über das Spektrum der Ausstellung hinaus einzelne Werke oder Spezialspekte der jeweiligen Themen detailliert vorstellen. Ulrich Marzolph (Der lithographische Druck einer illustrierten Prophetengeschichte), Johann Strauss (Das Buch der Griechen und Nichtmuslime), Ittai Joseph Tamari (Hebräische Typographie), Carsten Walbiner (Buchdruck der arabischen Christen).
Lutz Berger:
Aspekte der verspäteten Einführung des Buchdrucks in der islamischen Welt
Dagmar Glaß:
Das arabische Druckwesen im Nahen Osten des 19. Jahrhunderts: Stand und Desiderata der Forschung
Ulrich Marzolph:
Der lithographische Druck einer illustrierten Prophetengeschichte
Ittai Joseph Tamari: Jüdische Drucke aus Konstantinopel - ein Druckort und seine Bedeutung
Carsten Walbiner:
Die Protagonisten des frühen Buchdrucks in der arabischen Welt: einige biographische Feststellungen
Ulrich Marzolph (umarzol@gwdg.de):
Zur frühen Druckgeschichte in den Ländern des Vorderen Orients
V O R T R Ä G E I N D E M P A N E L:
Im Zentrum des Beitrages soll die Frage nach Themen und Praxis der schriftlichen Produktion der osmanischen Epoche stehen. Dabei soll die Frage untersucht werden, ob für eine Buchdruckerei größeren Stils in der osmanischen Welt überhaupt ein Markt bestanden hätte. Die Haupthindernisse für die Durchsetzung des Buchdrucks scheinen weniger in der starren Zunftordnung und den Interessen der Schreiber oder in Ängsten vor unkontrollierbarer Verbreitung von Irrlehren zu liegen, als vielmehr in der von Chamberlain bereits für das 13. Jh. diagnostizierten und, wie es scheint, weiter fortwirkenden Ritualisierung der religiösen Wissensvermittlung, der zunehmenden Verengung der geistigen Interessensphäre der Mehrzahl der Gebildeten und endlich in der Schwäche (oder dem weitgehenden Fehlen) einer überlokalen politischen Öffentlichkeit, in der man sich zur Verbreitung von Ideen des Buchdrucks hätte bedienen müssen.
Der Druck biblischer Texte 1610 im maronitischen Kloster von Quzhayya und 1706 bis 1711 in der griechisch-orthodoxen Patriarchatsdruckerei von Aleppo bahnte einem fundamentalen Wandel der arabischen Schriftkultur des Nahen Ostens und des auf ihr basierenden Publikationswesens den Weg. Diese technologisch initiierte sozio-kommunikative Umgestaltung sollte ab 1727 infolge der Gründung der osmanischen Staatsdruckerei in Istanbul und ab 1821 infolge der Eröffnung der ägyptischen Staatsdruckerei in Bulaq qualitativ neue Perioden durchlaufen. Aber erst in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, als der arabisch-nahöstliche (Buch- und Zeitungs-)Druck auch außerhalb der syrisch-libanesischen Klöster und der islamischen Herrscherhöfe Fuß zu fassen begann und so seine soziale Basis veränderte, erhöhte sich sein gesellschaftlicher Stellenwert. Diese Entwicklung wurde maßgeblich auch oder vor allem von arabischen Privatdruckereien vorangetrieben. In ihnen wurden entscheidende Weichen für die weitere Umgestaltung nicht nur von arabischer Kultur und Bildung, sondern auch von Politik und Wirtschaft gestellt. Wie und auf welche Weise sich diese "Weichenstellung" vollzog, ist noch genauer zu untersuchen. Voraussetzungen dafür aber sind u.a. auch eine Analyse des Forschungstandes und entsprechende methodische Überlegungen. Diese und andere Punkte sollen im Beitrag näher ausgeführt werden.
Prophetengeschichten (qisas al-anbiya') gehören zu den populärsten Themen der islamischen Literaturen. Ihre Erzählstoffe sind nicht nur belehrend und unterhaltend, sondern eignen sich besonders auch zur visualisierten Vermittlung narrativer Grundlagen des religiösen Selbstverständnisses. Daher gibt es, wie jüngst u. a. in einer umfassenden Studie von Rachel Milstein u. a. (1998) dokumentiert, zahlreiche illustrierte Manuskripte dieses Genres. Die illustrierten lithographischen Drucke der Qajarenzeit folgen dieser Tradition, stellen jedoch über die Behandlung traditioneller Werke der klassischen Literatur einen außergewöhnlichen Vertreter der Gattung, die gedichtete Prophetengeschichte eines ansonsten unbekannten Autors des frühen 19. Jh.s. Die lithographische Ausgabe dieses überaus seltenen Druckes soll mit ihrem ikonographischen Programm vorgestellt und im zeitgenössischen Rahmen verortet werden.
Die Juden waren die ersten, die im osmanischen Reich druckten. Im 16. Jahrhundert etablierte sich Konstantinopel zum wichtigsten Zentrum jüdischer Buchproduktion. Aus der jüdischen Diaspora reisten Gelehrte oder ihre Stellvertreter nach Konstantinopel, um in den Druckereien der Stadt ihre Schriften herauszugeben. Von dort aus wurden die Bücher in den verschiedenen Gemeinden vertrieben. Im 17. Jahrhundert konkurrierte vor allem Amsterdam, die westliche Hauptstadt jüdischer Buchproduktion, mit Konstantinopel.
Die Einführung des Buchdrucks in die arabische Welt erscheint als das individuelle Werk einzelner Männer, die sich gegen Widerstände und Vorbehalte ihrer Zeit durchsetzten. Wer waren nun diese Vorreiter einer technischen Neuerung, die den Orient mit einer Verspätung von anderthalb Jahrhunderten erreichte und dort erst vierhundert Jahre nach Gutenberg eine Massenwirksamkeit entwickeln konnte? Wie hatten diese Männer von den Vorzügen des Buchdrucks erfahren und was waren ihre Beweggründe, ihn auch in ihrer Heimat einzuführen?
Im Mittelpunkt des Vortrages stehen die Initiatoren der ersten drei Druckereien, die in der arabischen Welt ihre Arbeit aufnahmen: Sarkis ar-Rizzi (gest. 1638), der maronitische Erzbischof von Damaskus, war der Spiritus rector bei der Einrichtung einer Druckerei mit syrischen Lettern im Antoniuskloster von Qozhayya (1610), die allerdings nur ein Buch produzierte. Athanasius ad-Dabbas (1647-1724), der griechisch-orthodoxe Metropolit von Aleppo, schuf 1706 in seiner Residenz die erste Druckerei für arabische Typen in der arabischen Welt, die aber auch nur wenige Jahre bis 1711 fortbestand. Einem seiner Schüler, dem griechisch-katholischen Diakon Abdallah Zakhir (1684-1748), gebührt die Ehre, den arabischen Buchdruck dauerhaft in der Region etabliert zu haben. Die von ihm 1733 im Johanneskloster zu Shuwayr ins Leben gerufene Druckerei existierte mit Unterbrechungen bis 1899 und blieb über lange Jahre die einzige im arabischen Raum. Besondere Beachtung gebührt den Beziehungen der drei Genannten zur geistig-religiösen Welt Europas sowie - insbesondere im Falle von Dabbas und Zakhir - ihrer Einbindung in das kulturelle und religiöse Wiedererwachen der arabischen Christen, das im Aleppo des 17. und frühen 18. Jahrhunderts sein Zentrum hatte.