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die Koordinatoren des Orientalistentages |
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Interkulturalität und Intertextualität: Die Entstehung von Genres durch transkulturelle Interaktion
Die Teilnehmer/innen des Panels diskutieren die Entstehung, Erfindung, und Transformation von Genres in verschiedenen
Medien wie Literatur, Musik, Kunst et.al. bei der Begegnung mit anderen Kulturen. Wird Kultur als ein sich im steten
Fluß befindlicher Kanon von Werten, Symbolen und Bedeutungen betrachtet, so mag man Texte als im andauernden
Dialog untereinander stehend begreifen. Auch neue Genres entwickeln sich selten durch eine Neuerfindung oder durch
plötzliche Umweltveränderungen. Sie gehen aus einem langwierigen Prozeß von Auseinandersetzungen
mit herkömmlichen Ausdrucksformen, neuen kulturellen Formen und wechselnden Bedingungen des Lebensumfelds hervor.
Intertextualität und Interkulturalität sind somit wesentliche Faktoren, die bei der Entstehung neuer Genres
wirksam werden. Die Herausbildung von Genres unter den Bedingungen einer weltweiten Zirkulation mimetischen Kapitals
unterliegt spezifischen Produktions- und Unterdrückungsbedingungen. Diese zu thematisieren ist einer der möglichen
Schwerpunkte des Panels.
Organisation:
V O R T R Ä G E I N D E M P A N E L:
Hassan Nekuruh:
Ästhetische Unterschiede zwischen orientalischen und europäischen Sprachen
Friedericke Pannewick / Christian Szyska / Natascha Vittinghoff:
(im Rahmen des Arbeitskreises "Theoretische Wege zu den Literaturen des Vorderen
Orients")
Darüber hinaus setzt sich unser Panel zum Ziel, die internationalen Reisewege der Genres und ihre
vielfältigen transnationalen Bezugspunkte zu diskutierten. Der Zusammenhang von internationalen Strömungen und
nationalen Sonderwegen läßt sich bspw. am Genre des politischen Romans illustrieren: dieser wurde, mit
den wesentlichen Elementen wie sie in England v.a. von Disraeli herausgebildet wurden, in den 1880er Jahren in
Japan stark rezipiert und dann von Liang Qichao in China benutzt, um eine programmatische (nationale) Revolution der
Literatur einzuläuten. Auch bei der Genrebildung in der modernen arabischen Literatur läßt sich die Tendenz beobachten,
daß in einem kreativen Prozeß als autochthon erkenntliche Texte des klassischen arabischen Erbes mit
Ausdrucksmitteln kombiniert werden, die in der internationalen Kunstszene bereits etabliert sind, so daß durch
synkretische Kombinationen hybride Textgenre entstehen. Ein Beispiel wäre das traditionelle Genre der
Totenklage, welches von zeitgenössischen Literaten politisiert und durch Anleihen aus europäischer
Literatur bereichert wurde.
Die Entstehung von Genres soll im Licht der transkulturellen Verflechtung untersucht werden. Denn der
Informationsfluß verläuft ja nicht nur in eine Richtung: Durch die Rezeption des Fremden und die anschließende
Wiedervermittlung des Rezipierten an die Ausgangskultur kann in dieser eine neue Wahrnehmung der eigenen
Tradition stattfinden. Diese modifizierte Wahrnehmung ist nicht selten eine Reproduktion eines in Europa
konstruierten Exotismus, kann aber auch zu einer Kulturbereicherung im Sinne von einer
Wiederentdeckung verschütteter indigener Traditionen führen. So hatten sich zum Beispiel nicht wenige
europäische Literaten ihrerseits von östlichen Motiven oder Formen inspirieren lassen, so daß sich die
arabischen Kollegen, über den Umweg europäischer Rezeption, Formen und Motiven zuwandten, die ihrem
eigenen Kulturkreis entstammen.
Dabei ist zu beobachten, daß sich die kulturellen Stömungen nicht nur zwischen einer außereuropäischen
Kultur und `dem Westen´ hin- und herbewegen. Die beteiligten außereuropäischen Länder reagieren in ihrer
Begegnung mit dem Westen nicht allein auf den Westen, sondern ebenso auf Faktoren in den benachbarten Ländern.
Die Ost-West-Dichotomie ist also aufzugeben zugunsten einer umfassenderen Neuperspektivierung zum Beispiel im
Hinblick auf den asiatischen Kulturraum.
Solche internationalen Vernetzungen und die damit einhergehenden Sinnverschiebungen zu thematisieren, ist
Ziel des Panels, das sich interdisziplinär an alle außereuropäischen Kulturwissenschaftler innerhalb des DOT wendet.
Wie bei der übergeordneten Arbeitsgruppe "Theoretische Wege" soll der Schwerpunkt auf dem theoretischen
beziehungsweise methodischen Aspekt liegen. Mögliche Themen könnten sowohl aus den außereuropäischen
Literaturen als auch aus Musik, Theater, Tanz, Film oder bildenden Künsten stammen.
Friedericke Pannewick
- Dr. Friederike Pannewick, Seminar für Semitistik und Arabistik, Freie Universität Berlin, E-Mail: FPannewick@gmx.de
- Christian Szyska, An der Steinbrücke 2, 53119 Bonn, E-mail: Chszyska@aol.com
- Dr. Natascha Vittinghoff, Ostasiatisches Seminar, Universität Göttingen, E-Mail: nvttin@gwdg.de
Hammers Übersetzung von Hafis Ghaselen (1813), die fast unmittelbar nach der Veröffentlichung wegen sprachlichen Ungenauigkeiten kritisiert wurde, weist nicht weniger Unstimmigkeiten im Literarisch-Ästhetischen auf - was nicht immer am Übersetzer gelegen zu haben scheint.
In neuerer Zeit macht sich das Problem in umgekehrter Richtung bemerkbar: Die Übersetzung literarischer Werke aus europäischen Sprachen, darunter auch der deutschen lässt Probleme erkennen, die denjenigen, die seiner Zeit Hammer zu schaffen machten, sehr ähnlich sind - nur mit einer Einschränkung: während sprachliche Unstimmigkeiten, die auf ästhetischen Unterschieden beruhen, bei der Übersetzung klassischer Werke (wie etwa Schillers "Jungfrau von Orleans") ohne bemerkenswerte Auswirkungen auf die Struktur des übersetzten Werkes bleiben, bewirkt dies beachtliche Änderungen an der Struktur eines Werkes wie Kafkas "Verwandlung".
Das eigentliche Problem, vor dem Hammer stand, war das, wie die traditionsreiche Sprache von Hafis Dichtung ins deutsche zu übertragen, während der persische Übersetzer von heute vor der Aufgabe steht, syntaktische Strukturen, die aus moderner Sicht in die deutsche Sprache eingedrungen sind, einer Sprachgemeinschaft zugänglich zu machen, deren ästhetisches Empfinden sich an reichen literarischen Traditionen orientiert.
Das Problem macht sich hauptsächlich an Werken bemerkbar, die durch ihre durchstrukturierte Sprache und eine überbetonte Rolle der sprachlichen Formen und Strukturen hervorstechen. Hier zeigt sich eine Parallele zu der Problematik der Hafis-Übersetzung: Es geht heute wie damals um das Verhältnis zweier Sprachen mit Grundunterschieden auf ästhetischer Ebene.
Nun ist aber auch in der neuesten Entwicklung eine Parallele zu jener nach der Übersetzung von Hammer aufzuzeigen: ebenso wie damals, wo sich eine Wandlung in der deutschen Sprache bemerkbar machte, die diese zur Aufnahme fremder orientalischer Formen und Inhalte befähigte, was sich besonders an der Übersetzung von Rückert beobachten lässt, kann man an der Aufnahmebereitschaft der persischen Sprache modernen europäischen Werken wie etwa Joyces "Ulysses" und Th. Manns "Zauberberg" gegenüber eine solche Wandlung registrieren - eine Wandlung, die sich selbstverständlich erst langsam ihren Weg bahnen muß.