DMG- XXVIII. Deutscher Orientalistentag, Bamberg, 26.-30.3.2001
 
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Zusammenfassungen / Abstracts der Panels
Islamwissenschaften
die Koordinatoren des Orientalistentages
Stand 28. Februar 2001

Anja Pistor-Hatam (pistor-hatam@online.de / pistor-hatam@islam.uni-kiel.de):
Geschichte und Kultur der Mamlukenzeit (in memoriam Ulrich Haarmann)


V O R T R Ä G E   I N   D E M   P A N E L:

Thomas Bauer: Literarische Anthologien der Mamlukenzeit
Ohne Übertreibung läßt sich die Mamlukenzeit als die Blütezeit der arabischen literarischen Anthologie bezeichnen. Nur die ideologisch motivierte Geringschätzung der Literatur der Mamlukenzeit und die damit einhergehende schlechte Editionslage hat diese Tatsache bisher verdeckt.
Doch nimmt in der Mamlukenzeit nicht nur die Anzahl der Anthologien im Vergleich zu anderen Zeiten zu, sondern es werden auch neue Formen und Inhalte erschlossen. Zu erwähnen wären etwa die "Kommentaranthologien", d.h. Werke, die dem Titel nach ein Kommentar zu anderen Werken sind, wobei das kommentierte Werk aber im wesentlichen nur das Ordnungsprinzip für eine Anthologie liefert (bekanntestes Beispiel ist der "Ghayth al-Musajjam" des Safadi). Darüber hinaus läßt sich eine verstärkte Anthologien-lntertextualität verzeichnen, d.h. viele Anthologien entstehen als unmittelbare Reaktion auf jeweils eine andere Anthologie.
Auf der Suche nach einer Erklärung für diese Anthologien-Blüte wird nach der gesellschaftlichen Rolle der Verfasser dieser Anthologien gefragt, vor allem aber auch nach ihren potentiellen Lesern. Dabei zeigt sich, daß der regen Produktion von Anthologien eine ebenso rege Nachfrage unter den Ulama' der Mamlukenzeit entspricht, wobei es sich bei den Rezipienten keineswegs nur um Literaten (Udaba') handelt. Die literarische Anthologie muß vielmehr eine wichtige Rolle für die Formung des Weltbilds der Ulama' insgesamt gespielt haben. Umgekehrt diente das Verfassen von Anthologien den Udaba' als Ausweis ihrer Professionalität, den sie allein durch das Verfassen von Gedichten in dieser Zeit kaum mehr erbringen konnten. Die Erkenntnis dieser Zusammenhänge ermöglicht es wiederum, den oft prima vista schwer zu deutenden Aufbau und Inhalt einiger Anthologien (z.B. von Matla' al-Fawa'id des Ibn Nubata, einer der wichtigsten und verbreitetsten Anthologien dieser Zeit) zu erklären und in Zusammenhang mit den gesellschaftlichen Verhältnissen zu setzen.