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Sinologie |
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die Koordinatoren des Orientalistentages |
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Dennis Schilling (Dennis.Schilling@lrz.uni-muenchen.de):
Biographien stellen einen wichtigen Zugang für die Erforschung der gesellschaftlichen Wirklichkeit der Frau im chinesischen Kaiserreich dar. Dieser Literaturform ist es eigen, daß ihre Abfassung in erster Linie nicht der Beschreibung der sozialen Wirklichkeit dienen soll, sondern moralischen wie auch unterhaltenden Gesichtspunkten verpflichtet ist. Grundlegend für die biographische Geschichtsschreibung der Frau wurde die Ende der westlichen Han-Zeit verfaßte Biographiensammlung von Liu Xiang, das Werk Lie nü zhuan ("Biographien exemplarischer Frauen"). Diese Werk ist nach einer strengen moralischen Typologie geordnet. Der moralische Typus steht im Vordergrund, die Biographie verschwindet hinter dem Exempel der Lebensführung. Die Beiträge des Panels möchten auf der einen Seite mit einem Blick auf die zeitlich vor dem Werk Lie nü zhuan zu datierende Literatur den Entstehungsprozeß der biographischen Darstellung der Frau beleuchten. Auf der anderen Seite soll anhand von Untersuchungen zu biographischen Darstellungen der späteren Zeit versucht werden, den Wert dieser Literaturgattung für Aussagen der gesellschaftlichen Wirklichkeit der Frau zu bestimmen.
Daria Berg:
Der Kult um Tan Yangzi: eine junge Frau im China der späten
Kaiserzeit
Jianfei Kralle:
Bao Si - eine vermeintliche Vernichterin
Lauren Pfister:
Can Democracy be Grounded on Master Meng's Philosophy?
Dennis Schilling:
Zur Darstellung der Herrscherin im Zuo zhuan
Exemplarische Biographien von Frauen im chinesischen Kaiserreich
V O R T R Ä G E I N D E M P A N E L:
Tan Yangzi (1558-80) ist eine Frauengestalt aus dem China der späten Kaiserzeit, der wir auf dem Grenzgebiet
von Literatur- und Geschichtsforschung begegnen. Sie bewegt sich zwischen Fiktion und Wirklichkeit und wir
können uns ihr nur über die Perspektive ihrer zeitgenössischen, männlichen Beobachter nähern.
Der berühmte Schriftsteller Wang Shizhen (1526-90) und der Literatenbeamte Fan Shouji (1542-ca. 1611) sind die
Verfasser von zwei Biographien dieser jungen taoistischen Mystikerin, die im Alter von 21 Jahren zur Unsterblichen
erklärt wurde. Sie erzählen vom Leben und Schaffen der Tan Yangzi und von ihren Lehren über die Rükkehr
zur Schlichtheit und Heiterkeit.
Diese historischen Quellen vermitteln uns jedoch mehr als nur die Darstellung einer jungen Frau, die konfuzianische
Gelehrte sowie die hohen Minister des Kaisers von China zu ihren Schülern zählte. Die Geschichte der
Tan Yangzi symbolisiert den Zeitgeist einer Epoche am Ende der Ming-Dynastie, eine Zeit des moralischen und
politischen Verfalls, in der sich eine dekadente und effeminierte Literatenelite in Erwartung der Apokalypse
und des Weltuntergangs junge Frauen zu Göttinnen erkor und bei ihnen Heilung und Rettung suchte. Die
Analyse der Rhetorik dieser Berichte in ihrem literarischen und geschichtlichen Umfeld eröffnet uns
einen seltenen und wertvollen Zugang zum Diskurs über Volkskulte, die Stellung der Frau und die
inoffizielle Kultur Chinas.
Bao Si, Favoritin des letzten Herrschers der Westlichen Zhou (traditionell datiert ca. 11 Jh. - 770 v. Chr.), des Königs You, der von 781 bis 770 v. Chr. regierte und in der traditionellen chinesischen Historiographie in schlechtem Ruf steht, wird in der Überlieferung bis heute als ein typisches Exemplar der Dynastie-Vernichterinnen gesehen: ein Bild, das wesentlich durch die Frauenbiographien des Han-zeitlichen Gelehrten Liu Xiang (79 - 8 v. Chr.) geprägt wurde. Eine Untersuchung der älteren Bausteine dieser Geschichte zeigt jedoch, daß dieses Bild vor allem durch die Anpassung an die argumentativen Bedürfnisse des jeweiligen Kompilators entstanden ist und hauptsächlich einem didaktischen Zweck dient.
For over forty years claims have been made inside and outside of China regarding the "democratic" potential of certain passages in the Mengzi, especially related to the doctrine pronouncing the "common people to be the most important" element in the ancient Chinese kingdoms. This doctrine we will call the "demophilic" teaching of Master Meng, and it is this doctrine that we will seek once more to interpret from a comparative philosophical point of view in the light of these various claims related to its democratic potential.
In fact, these claims have been so controversial, producing such a variety of positions, that we will start by providing an overview of the variety of positions. Following this, the demophilic will be compared and contrasted to the democratic: first in terms of its political meaning and significance, and then in relation to larger cosmological problems. In the latter case, we will approach the political philosophy of Master Meng from an unusual angle, comparing its background cosmology to the doctrines of the Stoic Roman philosopher-emperor, Marcus Aurelius.
OnIy after going through this long interpretive route will we then present a final statement regarding how the demophilic might be made into something democratic, picking up various themes discussed in the literature of New Ruism ("Confucianism") in Taiwan and Hongkong.
Das Werk Zuo zhuan, der Kommentar zum Chun qiu, der Chronik des Staates Lu, dem Gelehrten Zuo Qiuming zugeschrieben, ist eine der bedeutendsten Quellen für Geschichte und Gesellschaft der frühen östlichen Zhou-Zeit. Interpretationen der gesellschaftlichen Wirklichkeit sind mit dem Problem konfrontiert, daß das Material verschiedene, geradezu gegensätzliche Perspektiven der Darstellung aufweist. Einerseits besteht das Werk aus in sich abgeschlossenen literarischen Kleinformen, der Anekdote und der Wiedergabe rhetorischer Kunstwerke, andererseits baut es auf größeren Erzählstrukturen auf und bindet Themenkomplexe zusammen. Drittens ist es als Kommentar in eine strenge chronologische Ordnung eingebunden wie auch der Explikation der Chronik verpflichtet. Der vorliegende Beitrag versucht, anhand einer Untersuchung der Darstellung der Person der Herrscherin einen Horizont aus philologischer Sicht für die Interpretation der sozialen Wirklichkeit der Frau zu entwerfen.