DMG- XXVIII. Deutscher Orientalistentag, Bamberg, 26.-30.3.2001
 
[Hauptseite] [Moderner Orient] [Panels]  
 
Abstracts / Zusammenfassungen der Panels
Moderner Orient
die Koordinatoren des Orientalistentages
Stand 11. Februar 2001


Gegenwart und Zukunft des Instituts der DMG in Beirut und Istanbul
Vorgestellt werden die aktuelle Arbeit des Instituts, ein größeres abgeschlossenes Projekt der Abteilung Istanbul und längerfristige Kooperationsvorhaben der Abteilung Beirut. Gleichzeitig soll die weitere Entwicklung des Instituts diskutiert werden.

Die Situation des Instituts:
1994 kehrten die Mitarbeiter des Instituts, die jahrelang vor dem libanesischen Bürgerkrieg nach Istanbul ausgewichen waren, nach Beirut zurück. Nach circa zehn Jahren Aufbau hatte sich in Istanbul eine Zweigstelle etabliert. Um beide Institutsteile arbeitsfähig zu halten, wurden die Stellen der vier wissenschaftlichen Referenten halbiert und je zur Hälfte in Beirut und Istanbul besetzt. Direktor und Bibliothekar haben seitdem ihren Dienstssitz in Beirut, sind jedoch auch für Istanbul zuständig.
Heute bestehen in Beirut und Istanbul zwei stark geschrumpfte Abteilungen. Gleichzeitig änderte sich der Charakter des Institus. War es früher primär ein Ort individueller Forschung, ist es heute an beiden Standorten ein Zentrum wissenschaftlicher Kooperation mit den Gastländern in Form von Symposien, Workshops und gemeinsamen Forschungsprojekten. Ein Zurück zu rein individueller Forschung ist weder durchsetzbar noch wünschbar. Gleichzeitig wird im BMBF über die Neuorganisation der Tägerschaft der geisteswissenschaftlichen Auslandsinstitute nachgedacht. Es ist deshalb an der Zeit, die personelle und organisatorische Ausstattung beider Institutsteile ihrem neuen Arbeitsprofil anzupassen. Für das Institut ist es deshalb wichtig zu erfahren, wie Kollegen Platz des Instituts und seine Aufgaben in der deutschen Orientalistik bewerten und welche Anforderungen sie an das Institut stellen. Erste Überlegungen von Institutsmitarbeitern finden sich im Istanbuler Almanach 4 (2000) bzw. unter www.oidmg.org


Projekte und Vorhaben:

Beirut: Bewahrung von Kulturerbe und historischen Quellen im Gastland

Als Beitrag zum Erhalt der materiellen Kultur seiner Gastländer - insbesondere jener die für orientalistische Forschungen die Arbeitsgrundlage bilden - sollen Handschriften, Archivalien und alte Drucke digitalisiert werden. Ein von deutschen, amerikanischen und libanesischen Partnern getragenes Projekt soll in die Dokumentation der sog. libanesischen Inkunablen, d.h. der Frühducke aus dem 17. und 18. Jahrhundert münden. Die Beteiligten hoffen, eine Initialwirkung für die weitere Bestandssicherung alter Drucke zu erzielen.
Ebenfalls durch Digitalisierung sollen die Archive des Scheriatsgerichts in Tripolis gesichert und durch eine Grunderfassung in Form von Regesten weiterer wissenschaftlicher Forschung zugänglich gemacht werden.


Istanbul: Le nationalisme turc face à l'Europe

Das genannte Projekt war die erste mittelfristige Forschungskooperation des Instituts in Istanbul. Die Festlegung des Forschungsthemas, seine Ausformulierung in Abstimmung mit dem Finanzier, die Erstellung eines Projektbudgets, ja selbst die Leistung von Zahlungen erfolgten ebenso wie die Klärung der inhaltlichen Herangehensweise, die Auswahl und Zusammensetzung der Forscher, sowie die Präsentation der Ergebnisse in enger Kooperation mit dem französischen Forschungsinstitut (IFEA).
Inhaltlich ging das Projekt von der These aus, daß nicht eine Beschreibung der "Inhalte" des türkischen Nationalismus nottue, sondern es wichtig sei, der Frage nachzugehen, in welchem Ausmaß sich politische Akteure distanziert zu den beiden seit den 50er Jahren in Konkurrenz zueinander stehenden nationalen/nationalistischen Diskursen im Lande verhalten und verhalten können. Aus entgegengesetzter Perspektive lautete die Frage, wie schnell sich türkische politische und zivilgesellschaftliche Organisationen um der Legitimation ihrer Aktivität im politischen Raum willen, in das Diskursfeld eines laizistisch-kemalistisch oder aber in das eines sunnitisch-türkischen Nationalismus begeben und damit den türkischen "Kulturkampf" immer auf neue reaktivieren. Information zum Projekt sind ebenfalls zu finden unter www.oidmg.org

Stand 11. Februar 2001