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Ansprachen während der Eröffnungsveranstaltung am 26. März: Die Fächergruppe Orientalistik in Bamberg Prof. Dr. Klaus Kreiser
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Zu der Ansprache von Prof. Dr. Bert G. Fragner, Erster Vorsitzender der DMG Zu der Ansprache von Prof. Dr. Dr. Godehard Ruppert, Rektor der Universität Bamberg |
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Herr Oberbürgermeister, sehr geehrter Herr Rektor, meine Damen und Herren, liebe Kollegen und Kommilitonen,unter den deutschen Erforschern des Morgenlandes gilt eine wenig bekannte, allerdings auch nicht allzu strikt eingehaltene Regel: Wer einen Orientalistentag ausrichten möchte, sollte wenigsten an zehn vorausgehenden Kongressen ohne Unterbrechung teilgenommen haben. So fiel das Los auf die große Stadt Bamberg und unsere kleine Fächergruppe. Es hätte genauso gut andere treffen können: Universitäten mit orientalistischer Tradition und einem breiteren Fächerspektrum.
Hier muß die Teilnehmerzahl des Kongresses die Unbeträchtlichkeit unserer Fächergruppe, aufwiegen. Das sichtbare Interesse von über 600 Wissenschaftlern aller Sparten beweist jedenfalls, daß der deutsche Orientalistentag lebt, und vielleicht sogar seine besten Inszenierungen noch vor sich hat.
Nichts lag uns ferner, als den "DOT" im "lieben Bamberg", wie mir Annemarie Schimmel in einem Brief schrieb, in dem sie bedauert, nicht teilnehmen zu können, nichts lag uns ferner, als den Deutschen Orientalistentag zu revolutionieren. Wer frühere Programmhefte durchblättert, wird zugeben, daß das Format des Kongresses im Großen und Ganzen das Gleiche geblieben ist. Gewiß, das Internet hat die Vorbereitung für die meisten Teilnehmer durchsichtiger gemacht, für die Organisatoren überhaupt erst mit bescheidensten Mitteln ermöglicht. Viele haben zum ersten Mal die Möglichkeit genutzt, Zusammenfassungen Ihrer Beiträge einzusenden, um sie über das weltweite Netz Wochen, wenn nicht Monate vor Kongreßbeginn zugänglich zu machen. Unser Team hat noch Zeit gefunden, auch Resümees, die uns als Brief oder Fax erreichten zu digitalisieren, was ich dankbar hervorheben möchte.
Selbst die Orientalische Disco setzt die Tradition gesellschaftlicher Ergänzungen fort. Wer unter den Älteren erinnert sich nicht, daß der Freiburger "Reform-Orientalistentag" von 1975 in einem Tanzvergnügen im örtlichen Kolpinghaus ausklang, wenn nicht kulminierte? Wenn in Freiburg noch ein echtes Damenprogramm, das sich allerdings auf eine Führung im Münster beschränkte, angeboten wurde, könnte man pointiert sagen, der Bamberger Kongreß ist das Damenprogramm.
Gleichgeblieben ist auch, daß der Mittwochnachmittag für die Jahresversammlung der ehrwürdigen Gesellschaft reserviert geblieben ist. Öffentliche Abendvorträge wurden immer angeboten und schon in Lübeck gab es im Olympischen Jahr 1972 ein Diskussionsforum "Studium und Ausbildungsziele in den orientalistischen Fächern". Es wurde vielleicht nicht ohne Hintersinn in einen Hörsaal der "Fachhochschule für Technik und Seefahrt" verlegt.
Von den Jungforschern, die damals in Lübeck debütierten, haben sich nur wenig auf Technik und Seefahrt verlegt. Lassen Sie mich in Klammern sagen, daß die klassischen Arbeitsfelder - Wissenschaft, Auswärtiger Dienst, Bibliothekswesen - noch viele berufliche Möglichkeiten boten. Freilich sind schon damals zahlreiche Orientalisten in der freien Wirtschaft und im Journalismus untergekommen.
Schließen wir damit den Rückblick auf die herbstblauen Tage von Lübeck, in denen der ganze Kongreß an den Tischen des Traditionslokals "Schiffergesellschaft" Platz fand und der Tagungsbeitrag für Studierende bei DM 15,00 (West) lag.Der deutsche Orientalistentag mag auf den ersten Blick eine unzeitgemäße Veranstaltung sein. Nirgendwo in Europa oder Nordamerika, auch nicht in Japan, findet sich noch einmal die nationale Miniaturisierung der Internationalen Orientalistenkongresse, die ihrerseits längst unter einem anderen, angeblich politisch weniger anstößigen Namen firmieren.
Die große Mehrheit der hier in Bamberg vertretenen Fächer trifft sich seit Jahrzehnten auf deutscher und europäischer Ebene zu regelmäßigen Arbeitstagungen, organisiert von Gesellschaften, die ein Netzwerk von Zeitschriften, Rundbriefen und Newsgroups zusammenschließt.
Beispielsweise haben die deutschsprachigen Turkologen vor Jahren in Bamberg eine inzwischen zur Pflichtveranstaltung gewordene Konferenz ins Leben gerufen. Bei meinen Gesprächen mit angesehenen Vertretern und Vertreterinnen anderer orientalistischer Disziplinen war immer wieder der berechtigte Satz zu hören, "Aber wir treffen uns doch alle zwei Jahre...und dann noch im europäischen Rahmen..."
Daß die Orientalisten neben ihren Gesprächen innerhalb des Faches auch den regelmäßigen, organisierten, aber auch zufälligen Kontakt mit Nachbardisziplinen schätzen, ist jedoch offensichtlich. Interdiszplinäre Panels mit aufregenden Fragestellungen sind neben den Einzelvorträgen, an denen meines Erachtens unbedingt festgehalten werden sollte, die wichtigsten Programmelemente.Lassen Sie es mich mit anderen Worten wiederholen: Der "DOT" ist einerseits eine insgesamt noch ausbaubare Serviceveranstaltungen für eine ganze Palette von Fächern, andererseits kann er beitragen, die wissenschaftlich und wissenschaftspolitische schädliche Verkammerung, will sagen Isolierung, einzelner Zweige aufzubrechen.
Vielleicht wächst dann auch das Verständnis dafür, daß kluge Bündnisse zwischen den "kleinen Fächern" nützlicher sind als Empfehlungen, die zur Konzentration auf wenige "Standorte" raten. Selbst in der akademischen Öffentlichkeit ist zu wenig bekannt, daß Forschung in den orientalistischen Fächern zum größten Teil an den Hochschulen stattfindet. Nur wenige Kollegen und Kolleginnen arbeiten an Auslandsinstituten, Akademien oder verbinden Bibliothekstätigkeit mit Forschung.Wenn sich auch noch kein deutscher Finanzminister wie der eines Nachbarlandes zu den "sogenannten Orchideenstudien", bei denen "man Ordnung machen" müsse, geäußert hat, bleibt der Druck auf Stellen bestehen, die nicht mit den größeren Fachgebieten konkurrieren können. Zu Fragen der Interessenvertretung wird sich Herr Fragner an Sie wenden, und ich denke, daß auch Herr Hanf heute abend einiges dazu zu sagen hat.
Bitte nehmen Sie es mir nicht übel, wenn ich das Privileg einer Eröffnungsveranstaltung nutze, um einen ganz kurzen Rückblick auf die Geschichte unserer hiesigen, Bamberger "Orientalistik" zu wagen: Lassen Sie mich mit einer kurzen, aber lehrreichen Chronik des weniger Gelungenen beginnen.
Die 1984/85 entstandene Fächergruppe ist klein geblieben. Die Chance, einen Schwerpunkt "Mittelasien" zu bilden, wurde vor Jahren zu Gunsten des Faches "Neu-Indologie" ausgeschlagen. Nach vielversprechenden Anfängen kassierte das Ministerium den durch Wegberufung frei gewordenen Lehrstuhl. Die von einer mächtigen Stiftung eröffnete Möglichkeit, eine Professur für Armenisch oder Georgisch einzurichten, wurde von unserer eigenen Fakultät ausgeschlagen. Der vom Stifterverband der deutschen Wissenschaft eingerichtete Gastlehrstuhl für Islamische Kunstgeschichte durfte nach dem Willen der Ministerialbürokratie und der eigenen Universität nicht mit Studien- und Prüfungsordnungen experimentieren. Am Ende hat man den versprochenen Lehrstuhl in einem wahrhaft orientalischen Handel in eine Professur ohne Ausstattung verwandelt.
Das sind gewiß herbere Niederlagen, Probleme, die ein größeres Gewicht haben als der lästige Papierstau im Fotokopierer oder die hirnlos exekutierten Stellensperren.Wir Bamberger haben uns nicht entmutigen lassen, ich denke vor allem aus Verantwortung für Studierende, von denen nicht wenige entschieden "coolere" Studienorte mit der schönen Stadt an der Regnitz vertauscht hatten, und weil das Betriebsklima im idyllischen Häuschen U11 doch recht erfreulich ist. Der Vorwurf, den Paul Breitner einmal im Zorn an den FC Bayern richtete, "die können nicht einmal zusammen feiern", diesen Vorwurf hat uns noch keiner gemacht, nicht einmal unser nächster Mitwerber in der fränkischen Region.
Gewiß gelang uns da eine oder andere. Davon soll hier aber nicht die Rede sein. Schließlich gehört das Einwerben der ominösen Drittmittel für Projekte und wissenschaftliche Veranstaltungen zu den normalen Dienstgeschäften wie Lehre, Forschung und Selbstverwaltung. Im Programmheft findet sich eine Liste, die über unsere Aktivitäten Auskunft gibt. Daß ihr Adressat eher die eigene Hochschule und das eigene Ministerium ist, als die Kollegen hier im Saal liegt auf der Hand.Verweisen möchte ich aber doch auf ein oder zwei Besonderheiten unserer Fächergruppe, in der vier Professoren und Professorinnen fünf Fächer vertreten, die in Magister- und Diplomstudiengängen studiert werden können.
Die Bamberger Islamkunde kann als Haupt- und Nebenfach ihrem Auftrag genügen, ohne gezwungen zu sein, areal- bzw. linguistisch umgrenzte Fächer wie die Iranistik oder Turkologie mit zu verwalten. Gleichzeitig ist die Inhaberin der Professur in der Lage eine religionswissenschaftlich interessierte Klientel aus diesen Fächern exzellent zu versorgen. Das Fach Islamische Kunstgeschichte und Archäologie gehört zu den Kronjuwelen dieser Universität, weil es bis heute, an keiner anderen deutschen Hochschule "hauptamtlich" vertreten ist. Die islamische Kunstgeschichte ist von Anfang an eine enge Arbeitsgemeinschaft mit dem hier gut ausgebauten Schwerpunkt Bauforschung, Archäologie des Mittelalters usw. eingegangen.
Ebenfalls fakultätsübergreifend hat die Islamkunde ein Graduiertenkolleg mit den Theologen ins Leben gerufen. An einem Graduiertenkolleg mit der Nachbaruniversität Erlangen-Nürnberg waren die Bamberger Orientalisten von Anfang an beteiligt. Wir freuen uns, ziemlich genau 50 Prozent der abgeschlossenen Promotionsvorhaben auf unsere Fahnen schreiben zu dürfen.
Gegenwärtig sind wir mit unseren Erlanger Kollegen in eine Diskussion über die Anerkennung von Studienleistungen im Grund- und Hauptstudium eingetreten. Die immer wieder auftretende Forderung nach Vernetzung unserer Forschungsprojekte und Lehrangebote in der "Region" wird ernst genommen, ohne daß wir verkehrsgeographische Hindernisse aus dem Weg räumen können.Die Fächergruppe wird trotz aller Anstrengungen klein bleiben. Das Einwerben von Studenten ist am "Standort" Bamberg sicher nicht leichter als in Berlin, München oder Hamburg. Daneben bleibt das Problem bestehen, daß wir in der Universität dem anhaltenden tragischen Irrtum ausgesetzt sind, ein Fach zu repräsentieren, das mit ca. 150 "Studienfällen" noch über Gebühr ausgestattet ist. Es ist für unsere Kollegen in den okzidentalistischen Fächern (die wir nur in Augenblicken heftiger Frustation als "kleineuropäisch" denunzieren) schwer nachvollziehbar, wenn wir von unseren angeblich geringen Studentenzahlen ablenkend auf die Absolventen hinweisen und die in keine Leistungsrechnung eingehenden Promotionen und Habilitationen, von schönen Ergebnissen auf dem akademischen Arbeitsmarkt wie im wirklichen Leben ganz abgesehen.
Bis heute bleibt in dankbarer Erinnerung, daß es ein Germanist (ich begrüße Herrn Bergmann) war, der die Fakultät zu außereuropäischen Sprachen und Kulturen öffnete und daß ein Pädagoge (Altpräsident Oppolzer hat ebenfalls hierher gefunden) an der Spitze der Hochschule das Projekt zusammen mit dem unvergeßlichen "Mehrer des Reiches" und Ehrendoktor unserer Fakultät Hans-Robert Roemer ausbaute.
Daß die große - sozusagen "Bayreuther" Lösung - nicht gelungen ist, kann man am wenigsten den Gründervätern anlasten. Als Spätankömmling gelang es der Universität nicht mehr, sozialwissenschaftliche, geographische oder linguistische Stellen mit Kollegen zu besetzen, die eigene Forschungsinteressen im Nahen oder Mittleren Osten hatten wie das für Afrika im fernen Bayreuth der Fall war..Meine Damen und Herren, liebe Freunde,
lassen Sie mich mit einer Briefstelle schließen, die aus der Korrespondenz zweier großer Islamwissenschaftler des vergangenen Jahrhunderts stammt. Der in Indien lebenden russische Gelehrte Ivanov schrieb an Henry Corbin über den XXI. Internationalen Orientalistenkongreß in Paris. Corbin war im Jahr 1948 nicht aus Teheran nach Frankreich gereist, wozu ihm sein Kollege Ivanov aufrichtig gratulierte:
"You acted rightly by not wasting time and money for attending it. It was exceptionally ill-organised, or rather not organised at all, and to speak frankly, was perfectly useless...[Er fügte dann grämlich hinzu] There was as huge crowd of people, but very few real orientalists, I mean those who really work ."
Wie haben sich die Zeiten geändert!Ich übergebe das Wort dem Ersten Vorsitzenden der Deutschen Morgenländischen Gesellschaft.