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Forschungspreis der Annemarie-Schimmel-Stiftung für Islamkunde

Preisträger 2017
Preisträgerin 2015
Preisträger 2013
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Preisträger 2017

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Dr. Simon Wolfgang Fuchs „Relocating the Centers of Shīʿī Islam: Religious Authority, Sectarianism, and the Limits of the Transnational in Colonial India and Pakistan“

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Simon Wolfgang Fuchs hat in seiner Dissertation in vorzüglicher Weise die Geschichte des religiös-politischen Denkens der Zwölfer-Schia in Südasien von der späten Kolonialzeit bis heute aufgearbeitet. Gestützt auf eine Vielfalt lokaler, großenteils nur schwer zugänglicher Quellen in Arabisch, Persisch und Urdu sowie auf direkte Kontakte und Interviews mit führenden schiitischen Gelehrten, hat er den Verlauf der innerschiitischen Debatten in Britisch-Indien und Pakistan zu Staat, Gesellschaft und religiöser Führung nachgezeichnet und ihre Verflechtung mit den politischen und ideologischen Entwicklungen in Südasien sowie bei den Schiiten im Irak und in Iran aufgezeigt. Seine Arbeit macht zum ersten Mal sichtbar, in welcher Weise sich die Gründung Pakistans 1947 und die Iranische Revolution von 1979 auf das religiös-politische Denken und die Autoritäts- und Organisationsstrukturen der Zwölfer-Schiiten Südasiens ausgewirkt haben. Gleichzeitig zeigt sie, wie lokale südasiatische Gelehrte als kreative Vermittler, Übersetzer und selbstbewusste Pioniere modernen islamischen Denkens aktiv geworden sind. Fuchs hat mit seiner Arbeit die Erforschung des südasiatischen Islams um entscheidende Schritte vorangebracht.


Dr. Boris Liebrenz „Die Rifā῾īya aus Damaskus. Eine Privatbibliothek in osmanischer Zeit und ihr kulturelles Umfeld“l

Ausgehend von einer intensiven kodikologischen Analyse der Handschriften der Damaszener Privatbibliothek Rifāʿīya, die heute in der Universitätsbibliothek in Leipzig aufbewahrt wird, liefert Boris Liebrenz in seiner Arbeit eine umfassende und dichte Beschreibung der osmanisch-syrischen Buch- und Bibliothekskultur der frühen Neuzeit. Die Arbeit beeindruckt durch die Vielfalt und Innovativität ihrer methodischer Zugänge und zeigt wegweisend auf, in welch ergiebiger Weise sich die von Käufern, Besitzern, Lesern, Stiftern etc. in Handschriften anbrachten Vermerke nutzen lassen, um ein authentisches Bild der frühneuzeitlichen Bibliotheks-, Buch- und Lesegeschichte einer arabischen Metropole im Osmanischen Reich zu gewinnen. Dazu wurden die mehr als tausend Manuskriptvermerke in der Rifāʿīya mit weiteren dokumentarischen Quellen aus der Region sowie mit literarischen Quellen erhellend in Beziehung gesetzt. Mit seinen höchst informativen Ausführungen über Buchmarkt, Leserschaft und Bibliothekslandschaft von Damaskus, die auch die rechtlichen, materiellen, ökonomischen und sozialen Aspekte von Buchproduktion, Bucherwerb und Bücherstiftung im osmanischen Syrien einschließt, beleuchtet die Arbeit in mustergültiger Form ein wichtiges Kapitel nahöstlicher Bildungsgeschichte.

Preisträgerin 2015

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Britta Fredes Dissertation „Die Erneuerung der Tiǧānīya in Mauretanien. Popularisierung religiöser Ideen in der Kolonialzeit“ ist eine Pionierarbeit, die historisch und systematisch in ein religiöses und soziales Milieu einführt, über das bisher kaum wissenschaftliche Studien vorliegen. Sie verbindet eine vorzügliche Kenntnis der sozialene und politischen Verhältnisse in Mauretanien mit einer sehr sensiblen Annäherung an die religiösen Vorstellungen und Praktiken einer sufischen Bruderschaft, die weit über Westafrika hinaus Bedeutung gewonnen hat. Frede macht die religiöse Erfahrungs- und Bildungsdimension der sufischen Massenbewegung in Nord- und Westafrika im 20. Jahrhundert in ihrem Erweckungscharakter in sehr anschaulicher Weise deutlich. Ihr souveräner Umgang mit der Vielfalt der von ihr ausgewerteten Quellen, die gelungene Verbindung von sozialwissenschaftlichen und historisch-kritischen Ansätzen sowie die hervorragende visuelle Aufbereitung des erhobenen Materials verdienen großes Lob. Die Arbeit vermittelt zahlreiche Erkenntnisse, die für die Islamwissenschaft von großer Bedeutung sind.

Preisträger 2013

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Dr. Jasmin Khosravie "Zabān-i Zanān – Die Stimme der Frauen. Leben und Werk von Ṣadīqa Daulatābādī (1882-1961)“

Frau Jasmin Khosravie hat mit ihrer Dissertation über Leben und Werk von Ṣadīqa Daulatābādī eine exzellente Studie zu einer Schlüsselfigur in der Geschichte der iranischen Frauenbewegung vorgelegt. Es ist ihr auf beeindruckende Weise gelungen, die Heterogenität der weiblichen Lebenswelten im kadscharenzeitlichen Iran herauszuarbeiten und den persönlichen Hintergrund der Protagonistin auszuleuchten, deren Familie mit der religiös dissidenten Azalī-Bābī-Bewegung verbunden war. Ihre Darstellung bietet hervorragend recherchierte Tableaus einer Gesellschaft im Wandel und zeichnet sich durch ein hohes sprachliches Niveau und eine solide methodische Grundlage aus. Mit ihrer Studie hat sie die Forschung zur Geschichte der Geschlechterverhältnisse in Iran in substantieller Weise vorangebracht und Erkenntnisse zu Tage gefördert, die für die Islamwissenschaft und die angrenzenden Fächer von großer Relevanz sind.

Dr. Jan Thiele „Die Theologie des Zayditen al-Ḥasan ar-Raṣṣāṣ: Rezeption und Entwicklung bahšamitischer Lehren im Jemen des 6./12. Jahrhunderts“

Jan Thieles Dissertation über den jemenitischen Theologen al-Ḥasan ar-Raṣṣāṣ und seine einflussreiche Kausal- und Attributenlehre in der Tradition Abū Hāšims stellt einen Meilenstein in der Erforschung sowohl der Zaidīya als auch des muʿtazilitischen Denkens dar. Die Arbeit überzeugt sowohl durch ihre sorgfältige methodische Heransgehensweise als auch durch ihre argumentative Prägnanz und Fähigkeit zur Abstraktion. Der komplexe Zusammenhang von Essenzen, Substanzen, Attributen und Akzidenzien im Denken des jemenitischen Theologen wird differenziert erfasst, die theologischen und problemgeschichtlichen Zusammenhänge werden sehr gründlich und transparent dargestellt. Mit ihrer präzisen inhaltlichen, philologischen und sprachlichen Erschließung einer großen Zahl neuer und bisher nur schwer zugänglicher Quellen stellt die Forschungs-arbeit von Herrn Thiele eine große Bereicherung für die Islamwissenschaft dar.

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